Autarke Obstversorgung – auch in städtischen Wohnungen

Wenn in Zeiten von Versorgungsengpässen bei Lebensmitteln das gegessen werden muss, was zu bekommen ist, muss man sich auf eine sinkende Qualität der Nahrung einstellen. Auf dem Land hat man von jeher bessere Möglichkeiten, sich Obst und frisches Gemüse selbst zu ziehen, in der Stadt ist das schon schwieriger. Aber nicht unmöglich!

Mit Spalierobst (Ein Spalier, französisch espalier = Stütze, Schulter) ist eine gitterartige Konstruktion, an der traditionell Nutzpflanzen (Obstbaumtriebe, Weinreben) befestigt und in eine gewünschte Wuchsform gebracht werden können. An einem Spalier müssen die Pflanzen bzw. ihre Triebe regelmäßig angebunden werden, im Gegensatz zu einem Rankgerüst, an dem Kletterpflanzen eigenständig emporwachsen (Definition Wikipedia).

Ein Spalier kann an einer Hauswand angebracht sein, oder an der freistehenden Pflanze. Spaliere können aus Holz, Metall oder Draht gebaut werden. Mit Spalierobst haben Sie erntefrisches Obst. Wenn es auf Ihrem Balkon wächst, ist es auch relativ sicher vor Dieben. Zudem speichern Hauswände die Sonnenwärme und halten die Bäumchen auch nachts noch etwas warm. Daher können Sie bei guter Lage sogar Pfirsiche, Aprikosen und Kiwis mit Erfolg auf Ihrem Balkon züchten. Eine ungemein wertvolle und schmackhafte Ergänzung – nicht nur auf Ihrem Krisenspeiseplan, sondern auch jetzt schon!

Die Durchschnittstemperaturen sind in Städten immer etwas höher als auf dem Land, auch das wirkt sich vorteilhaft auf Wachstum und Ernte aus. Auf Balkons und an Hauswänden emporwachsend, sind die Spalierobstbäume überdies windgeschützter als freistehende Bäume.

Im Winter sollten Sie das Behältnis mit der Erde gut gegen Frost schützen. Es kühlt möglicherweise mehr aus als der Boden und das Bäumchen könnte erfrieren. Stroh oder eine Winter-Ummantelung aus Holz oder Styropor schaffen da Abhilfe. Styropor ist hässlich, aber billig und isoliert sehr gut. Sie können auch den Schnee vom Balkon drumherum häufeln, das schützt das Wurzelwerk im Topf ebenfalls vor frostiger Zugluft und Wind.

Falls Ihnen die Idee mit dem Spalierobst gefällt, sollten Sie am besten jetzt damit anfangen. Denn Sie werden sicher noch Erfahrungen sammeln müssen, nicht alles gelingt auf Anhieb. Lassen Sie sich am besten auch beraten, welche Obstsorten Sie heranziehen wollen. Wollen Sie einen Apfel zum Lagern? Oder legen Sie Wert auf den Geschmack einer bestimmten Sorte? Bei Kirschen müssen Sie bedenken, dass Sie nur dann Früchte bekommen, wenn ein zweiter Kirschbaum in der Nähe zur selben Zeit blüht, und die Blüten gegenseitig bestäubt werden.

Erfunden haben das Spalierobst … nicht die Schweizer, sondern die Franzosen im 16. Jahrhundert. In der Barockzeit waren prächtige, geometrisch konstruierte Gärten ein Ideal, das in seiner höchsten Vollkommenheit in den Schlossgärten dieser Zeit zu bestaunen ist. Dazu wurden Pflanzen in ihrer Wuchsform gelenkt und „getrimmt“, damit auch das einzelne Gewächs das Schönheitsverständnis und die Kunst dieser Zeit widerspiegelte. Uns kommt diese Methode, Pflanzen zu kultivieren, sehr gelegen.

 

Bild mit freundlicher Erlaubnis von Klaus Dieter Bornschein: http://www.bornschein-kd.de/index.html

Das „Spalier“ ist eine gitterartige Konstruktion aus gespannten Drähten oder Seilen, an denen Nutzpflanzen wie Obstbäume und Weinreben – aber auch Kiwis und verschiedene Beerensorten befestigt und beim Wachsen in die gewünschte Form geleitet werden. Man kann solche Spaliere leicht selber bauen, am besten an einer Wand.

Der Vorteil dieser Methode für unsere Zwecke ist, dass die fertigen Pflanzen ganz flach sind. Sie wachsen wie eine Bedeckung der Wand unter optimaler Ausnutzung der gesamten Fläche und reichen nur wenige Zentimeter in den Raum vor Ihnen hinein. Damit sind solche Spalierbäume ideal, um sie an der Wand des Balkons zu ziehen oder auch an der Hauswand hoch und um die Fenster herum.

So ein Gestell kann natürlich auch frei aufgestellt werden, so dass die Obstbäumchen wie eine Hecke stehen. Wichtig ist, dass die Zweige alle genug Sonne bekommen.

Achten Sie darauf, dass der Draht oder die Kordel, mit der Sie die Zweige festbinden, immer wieder überprüft wird. Der Ast nimmt stetig an Dicke zu und die Befestigungsschnüre wachsen in das Holz hinein und behindern den Saftfluss im Inneren.

Man kann diese Art der Obstbaumzucht mit fast allen Sorten an Obstgehölzen machen. Es gibt verschiedene Methoden und Formen, die Pflanzen an den Gestellen fest zu binden und zu „trimmen“.

Es ist nicht nötig, dass die Pflanzen akkurat aussehen und exakt der Gitterform folgen. Wichtig ist aber, dass die Zweige, an denen die Früchte nachher wachsen, waagrecht oder nur schräg nach oben führen. Senkrecht nach oben wachsende Triebe erbringen kaum Frucht.

Kaufen Sie sich einjährige Bäumchen, mit kurzem Stamm, damit Sie mehr Fläche für die Zweige haben. Diese sind noch biegsam, leicht zu formen und wachsen problemlos in die vorgegebene Richtung. Achten Sie darauf, dass die Äste möglichst schon eher seitwärts vom Stamm abgehen (anstatt rundherum), dann müssen Sie die Hauptäste nicht allzu sehr zur Seite zwingen. Der beste Zeitpunkt, um neu wachsende Zweige in Position zu binden liegt zwischen Mai und Juli, da sind die neuen Triebe noch am biegsamsten.

An den (möglichst waagrechten) Seitentrieben wachsen dann im Folgejahr kleine, frische Triebe senkrecht hoch, an denen sich Blüten und Früchte ausbilden. Diese neuen Triebe müssen sehr kurz geschnitten werden, sonst wuchern sie schnell in die Höhe, kosten die Pflanze zuviel Energie und nehmen den Seitenästen darüber den Platz weg. Am besten besorgen Sie sich zum Zweck der Pflege Ihres Spalierobstes ein gutes Gartenbuch, in dem das ausgiebig und mit Zeichnungen erklärt wird. Hier können wir in aller Kürze nur das Wichtigste umreißen.

Das Bäumchen pflanzen Sie vorzugsweise im Herbst, dann treibt es ziemlich sicher im Frühjahr aus. Für Balkone sollten Sie einen ausreichend großen Blumenkasten mit Erde aufstellen, bei Spalierobst am Haus sollten Sie sicherstellen, dass im Boden noch genug Erde um und unter den Wurzeln des Bäumchens vorhanden ist, damit es Nahrung findet. Ideal sind Hauswände, die nach Süden ausgerichtet sind.

Wandspalier-Birnen wachsen aller Erfahrung nach besser als Äpfel. Aprikosen blühen sehr früh und müssen vor spätem Nachtfrost geschützt werden.

Informieren Sie sich auch, welche Erde Sie in den Behälter geben. Aprikosen lieben lockeren Lehmboden, Pfirsiche mehr sandhaltigen Boden, Zwetschgen und Pflaumen wachsen in fast allem.

Zwei Jahre nach der Pflanzung können Sie die ersten Früchte ernten. Das macht auch jetzt schon viel Freude, aber wenn frisches Obst Mangelware wird, ist es ein Fest – und für Sie und Ihre Familie ein unschätzbarer gesundheitlicher Vorteil!

Sie können solche Pflanzen hier online bestellen klicken Sie auf der Seite dann auf „Obstanbau auf kleinstem Raum“.