Der weltweite Virus - die Usachen der weltweiten Finanzkrise
Wie wurde gesamte Welt mit tödlichen Virus infiziert?
Der Trick mit den Hypothekendarlehen ist, dass die Banken diese in große Pakete mit anderen Darlehen wie Kreditkarten-schulden, Studentenkrediten, Kfz-Krediten usw. zusammenfassten und sie mittels verschiedener Investmentbanken, Hedgefonds oder sonstiger Vermittler weltweit an Investoren verkauften.
Es entstanden die so genannten strukturierten Finanzprodukte wie ABS (ABS - Asset Backed Security : US-Begriff für als Anleihen (Bonds) gebündelte Kredite aus verschiedensten Quellen. Es können Autokredite, Kreditkartenschulden, Möbelkredite oder Hypoheken dahinter stehen) oder CDOs (CDO - Collateralized Debt Obligations: CDOs sind Kreditderivate, die auf einem Investmentpool basieren. Dieser setzt sich aus Anleihen zusammen. Die Investmentbanken zerlegen den Pool in Tranchen mit unterschiedlichen Risiken - und reichen sie an Investoren weiter.)
Viele sagen, dass diese Konstrukte nicht einmal Finanzprofessoren verstehen. An wen wurden diese gebündelten Darlehen verkauft? Käufer waren andere Banken, Versicherungen, Pensionsfonds etc. in der ganzen Welt. Man schätzt, dass zirka achtzig Prozent dieser Papiere nach Europa und Asien verkauft wurden. Diese Vermutung wird dadurch untermauert, dass die europäische Zentralbank beim ersten Hochkochen der Krise im August 2007 ca. 800 Mrd. Euro in den Finanzmarkt pumpte, die amerikanische FED jedoch nur knapp unter 100 Mrd. Dollar. Warum wohl?
Klar ist daher, dass ein signifikantes Volumen auch in Deutschland platziert wurde. Verschiedene deutsche Institute haben bisher Verluste eingeräumt. Die IKB Bank,die Sachsen-LB, die Hypo Real Estate, Bayern LB, West LB, Commerzbank etc. sind dadurch in ernsthafte Existenzprobleme gekommen und konnten nur durch umfangreiche Maßnahmen des Staates und anderer Banken gerettet werden.
Beides sind Institute, die eigentlich mit dem amerikanischen Finanzmarkt herzlich wenig zu tun haben. Sie haben diese Papiere - wie andere Banken auch - in dafür eigens gegründete Zweckgesellschaften (Conduits) ausgelagert, um sie nicht in den Bilanzen aufführen zu müssen. Das Risikopotential der Sachsen-LB beträgt zirka dreiundvierzig Miliarden Euro. Dieses Institut wurde im Rahmen einer groß angelegten Rettungsaktion im Sommer 2007 an die Baden Württembergische LBBW verkauft, die sich dabei ein Rückgaberecht ausbedungen hat.
Nun verlangt die LBBW eine Bürgschaft vom Land Sachsen über 4,3 Mrd. Euro. Der sächsische Haushalt liegt bei 15,5 Mrd. pro Jahr, sprich die verlangte Bürgschaft beträgt knapp ein Viertel des Etats. Alles natürlich zu Lasten und auf Risiko des Steuerzahlers. Die Bestrebung ist nun, die Risiken dieser Zweckgesellschaften in eine „Superzweckgesellschaft“ auszulagern. Auf Deutsch bedeutet dies, wir schieben es einfach weiter in die Zukunft und hoffen mal aufs Beste.
So wurde die Finanzkrise bei uns ersichtlich - aus heutiger Sicht ein interessanter Rückblick
Falls Sie noch immer da sitzen und denken, so schlimm ist das Ganze doch gar nicht und irgendwie wird das schon wieder vorbei gehen, hier ein kleiner Schlag auf den Hinterkopf, um den Ernst der Lage aufzuzeigen: Zuerst wird die halbstaatliche Landesbank durch eine Nacht- und Nebelaktion an einem Sonntag gesetzeswidrig – am Parlament vorbei – verkauft. Der Käufer bekommt ein Rückgaberecht, was ihm eine sehr starke Verhandlungsposition gibt und wenn er sie zieht, haben alle Beteiligten zu Lasten unbeteiligter Dritter – der Steuerzahler – Zeit gewonnen und das Problem schön vor sich her geschoben. Da dieser Zeitraum offensichtlich nicht reicht und die Hoffnungen auf die Rettung aus heiterem Himmel noch leben, soll eine Superzweckgesellschaft gegründet werden, die auch wieder für ein paar Monate Zeitgewinn gut sein dürfte. Frei nach dem Motto: Nach mir die Sintflut oder die Zeit heilt alle Wunden.
Das selbe Spiel läuft in den USA. Dort hat Präsident Bush ein Gesetz zur Deckelung der variablen Zinsen eingebracht. Was bedeutet dies? Der unbedarfte Beobachter wird hier einen richtigen Schritt erkennen, um den armen Hausbesitzern zu helfen. In Wahrheit jedoch ist dies ein enormer Rückschlag für die Mehrzahl der Beteiligten. Erstens hilft dies nur relativ wenigen betroffenen Bürgern. Wie meist in der Politik, und vor allem so kurz vor der Wahl, geht es anscheinend nur um gute Presse und einen guten Schein.
Weitaus gravierender ist der eklatante Rechtsbruch, den die USA hier begehen und sich auf das Niveau einer Bananenrepublik begeben. Die Käufer dieser Darlehen werden schlicht weg gelinkt, da diese die Papiere unter anderen Vorzeichen gekauft haben. Die zivilisierte westliche Welt zeichnet sich unter anderem durch eine verbindliche Rechtssicherheit und ein verlässliches Vertragsrecht aus. Beides wird hier mit Füssen getreten. Die sich auf dem Markt befindlichen Papiere – das derzeitige Problem der Banken – werden dadurch im Wert weiter stark fallen und die Situation deutlich verschärfen. Sie sehen, vorne herum doktert Herr Bush wohltätig herum und hinten herum richtet er einen extremen Schaden vor allem im Ausland an, so dass er von den Auswirkungen vermeintlich verschont bleibt.
Das Gesamtanlagevolumen dieser Zweckgesellschaften in Deutschland wird auf ca. 180 Mrd. Euro geschätzt. Noch Tage vor dem Zusammenbruch betonte die IKB wie auch die Sachsen-LB, keine nennenswerten Risiken in ihren Büchern zu haben. Kurz darauf wurde bei beiden Instituten der Super-GAU bekannt. Im September 2007 gaben dann auch die Deutsche Bank und die Commerzbank zu, solche Produkte im Portfolio zu haben. Bei der Deutschen Bank betragen diese ca. 30 Mrd. Euro und bei der Commerzbank knapp 1 Mrd. Das Problem ist, das diese Pakete so kompliziert sind, dass viele Käufer nicht wissen, auf was sie sich eingelassen haben.
So sagte z. B. Dr. Ackermann, Chef der Deutschen Bank, in einem Fernsehinterview im September 2007, dass sie beim Verkauf solcher Produkte Privatkunden selbstverständlich aufklären und beraten. Beim Verkauf an andere Banken tun sie dies aber nicht, weil die das Risiko ja selbst prüfen können. Weiter sagte er auch, dass seine Bank mit diesen Verkäufen sehr viel Geld verdient hat. Speziell die Banken mit großen Investmentabteilungen haben Milliarden damit gemacht. So wurde das weltweite Finanzsystem mit diesem tödlichen Virus infiziert. Heute weiß kein Mensch, wo die Gefahren überall sitzen.
Viele Kredite sind faul und kosten uns hunderte von Milliarden Euro
Die Sache wird deshalb zum großen Problem, weil viele der gehandelten Kredite faul sind, d. h. von den Schuldnern nicht zurück bezahlt werden können. Die Finanzinstitute, die solche Produkte aus Amerika gekauft und weitergereicht haben, gewährten umfangreiche Garantien, die teilweise mächtige Hebel beinhalten. Dies ergibt dann Größenordnungen, die Banken und Investmentfirmen nicht verkraften können.
Die Deutsche Bank als unser lokaler Primus und weltweites Institut kann mit lediglich zwei Prozent Eigenkapital aufwarten, die einem gigantischen Berg von nicht einschätzbaren Verpflichtungen zwergenhaft gegenüber stehen. Weitere Beteiligte sind Versicherungen, die bisher gefahrlos Kreditausfallversicherungen vergeben haben. Bisher war dies ein risikoloses Geschäft und eine einträgliche Einkommensquelle. Aufgrund der Finanzkrise kehrt sich dies nun ins Gegenteil, da nun Schadensfälle reguliert werden müssen, mit denen keiner gerechnet hat und die nur ungenügend durch Rücklagen gedeckt sind.
Die Investoren erwarben diese Darlehen, weil dafür höhere Renditen als für andere Anlagearten versprochen wurden. Das hat für die Käufer nun gravierende Folgen: Die Erwerber – andere Banken, Stiftungen, Pensionsfonds, Versicherungen etc. – müssen erkennen, dass sie ihr Geld oder das ihnen anvertraute Vermögen in Subprime-Schrott angelegt haben.
Aktuelle Zahlen besagen, dass diese Wertpapiere nur noch zwischen zwanzig und siebzig Prozent sind. Sie müssen sich das mal in Form einer konkreten Zahl vor Augen führen: Es investiert zum Beispiel ein Pensionsfond einhundert Millionen Euro und erkennt nun, dass der auf dem Markt realisierbare Wert nur noch knapp fünfzig Millionen beträgt. Es sind knapp fünfzig Millionen Euro unwiederbringlich verloren. Wie erfüllen sie nun ihre Verpflichtungen den Sparern und Rentnern gegenüber? Im Klartext bedeutet dies, dass sie ihnen anvertraute Vermögen verspekuliert und massiv Gelder verloren haben.
Die Banken misstrauen sich: Die andere Folge haben wir erst vor kurzem erlebt: Das Interbankensystem ist zusammengebrochen. Damit ist die Geldverleihung der Banken untereinander gemeint. Was viele nicht wissen ist, dass der tägliche Geldverkehr ständiges Geldausleihen von den Banken untereinander erfordert. Überweisungen und Lastschriften funktionieren u. a. nur deshalb, weil es große Geldflüsse zwischen den Banken gibt.
Seit dem Ausbruch der Krise liehen sich die Institute gegenseitig kaum Geld. Das Misstrauen untereinander wurde so groß, da die Banken ihre Risiken solange und so gut es ging verschwiegen haben. Sie arbeiteten dabei mit allen Möglichkeiten, die das Gesetz und verschiedene Bilanztricks bieten. Diese Verleihungen kamen im Herbst 2007 völlig zum Erliegen. Das zwang die Europäische Zentralbank in diesem Zeitraum mit knapp 800 Mrd. Euro einzuspringen. Dadurch wurden Bankenzusammenbrüche vorläufig noch verhindert. Ein klarer Hinweis darauf, wie knapp wir an der Kippe standen. Das hier Beschriebene ist kein theoretisches Gedankenspiel, sondern eine bierernste Angelegenheit.
Das Grundübel ist, dass die Banken, die ja das Rückgrat der Wirtschaft darstellen, mehr oder weniger große Posten im Portfolio haben, die sie jetzt enorm im Wert berichtigen müssen. Das gesamte Wertberichtigungsvolumen mag eine Billion Dollar erreichen oder übersteigen. Nach den vorgenannten „Verpackungskünsten“ weiß niemand genau, wie und wo dieses Risiko gestreut ist.
Was sich hier recht harmlos anhört, bedeutet im wirklichen Leben, dass die Banken Beträge in der Größenordnung von einigen hundert Millionen bis einigen Milliarden abschreiben müssen. Das sind Beträge, die die Banken bei Eigenkapitalhöhen von beispielsweise dreißig Mrd. Euro bei der Deutsche Bank, selbst vor ernsthafte Überlebensprobleme stellen.
Eine allgemeine Bankenpleite wäre ein gewaltiger Vertrauensverlust für die betreffende Volkswirtschaft, der die Grundfeste unseres Lebens erschüttern würde. Daher sprang bei der Northern Rock die Bank of England mit einer unbegrenzten staatlichen Garantie ein. Angesichts der nervösen Stimmung auf dem weltweiten Finanzmarkt könnte die Pleite einer Großbank einen Dominoeffekt auslösen und dadurch andere Institute mitreißen. Das ist die Gemengenlage, die einen in Angst und Schrecken versetzen muss und die unser Leben aus den Angeln heben könnte.
Wenn die Banken Probleme haben, geben sie weniger oder keine Kredite mehr aus. Dies schadet der Wirtschaft und gerade dem Mittelstand, denn diese sind auf Kredite angewiesen. Eine Reduktion der Darlehensvergabe verhindert Investitionen und Neuanschaffungen, weil den Firmen die Finanzmittel dafür nicht zur Verfügung stehen. Eigenkapitalschwache Firmen werden in die Insolvenz getrieben, weil sie Zahlungsverzögerungen oder -ausfälle nicht zwischenfinanzieren können und schon kleinere Fehler der Geschäftsführung bzw. ausbleibende Umsätze das Aus bedeuten können.
Das führt zu einer höheren Arbeitslosigkeit, Schwächung der Nachfrage und steigenden Sozialkosten, die auf die verbliebene Firmen und Angestellten in Form von höheren Abgaben abgewälzt werden. Weniger arbeitende Menschen verfügen logischer Weise über eine geringere Kaufkraft und dies verschärft die Ertragsituation der Firmen weiter. Ein Teufelskreis. Die Wirtschaft und unsere Gesellschaft wird erheblich geschwächt und gefährdet.
Das Monopoly für Große: Darlehen vergeben und sofort weiter verkaufen, das war das große Spiel der Banken in den letzten Jahren. So konnten sie das große Geld machen und hatten das Risiko schnell wieder los. Das hat solange funktioniert, wie die Zinsen günstig waren und es genügend Abnehmer dafür gab. Aufgrund der Unsicherheiten, die durch die vorgenannten Stockungen auftraten, sind die Käufer solcher Darlehen plötzlich verschwunden.
Kaum ein größerer Fond oder andere Investoren wollen heute Darlehen kaufen. So kam auch der Verkauf großer Darlehen aus Firmenübernahmen zum Erliegen. Diese entstehen, wenn die Firma A die Firma B kauft. Da übernimmt eine Firma die andere für sagen wir mal 12,5 Mrd Euro. Die Firma wendet sich an ein Bankenkonsortium und dieses bündelt den entsprechenden Kredit. Kurz nachdem der Deal mit horrenden Provisionen und Gebühren abgeschlossen ist, werden solche Darlehen am Geldmarkt an Investoren verkauft und verschwinden so aus den Büchern der Banken. Die Firmenjäger und die Banken sahnen ab und geben ihr Risiko schlußendlich wieder an uns als Sparer ab.
Seit der offensichtlich gewordenen Finanzkrise ist auch dieser Markt nahezu zusammengebrochen. Übernahmen platzen und Banken haben große Probleme, diese Darlehen weiter zu verkaufen. Wir wissen, wenn die Nachfrage zusammenbricht, sinkt unweigerlich der Verkaufspreis. Nun müssen die Banken diese riesigen Summen im Wert berichtigen und so entstehen enorme Verluste. Dabei gehörte gerade diese Art von Geschäften zu den größten Ertragsquellen der Banken. Versiegende Einnahmequellen bei gleichzeitigem sehr hohen Aufwand für Abschreibungen.
Dies ist ein weiterer möglicher Auslöser für eine Bankpleite, die einen allgemeinen Bankenkollaps zur Folge haben könnte. Das wäre dann der Super-GAU, der uns allen den Boden unter den Füssen weg zieht. Wenn Sie sich mit dem Thema beschäftigen und die Daten auswerten, erkennen Sie unschwer, dass der Crash nur eine Frage der Zeit ist. Abwendbar ist er meines Erachtens nicht. Die jetzigen Eingriffe der Notenbanken verzögern die Katastrophe nur und vergrößern sie, weil die Summen und Spekulationsblasen bis dahin größer werden.
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