Erneute Flüchtlingswelle wie 2015?

Die Alarmsignale mehren sich: Politiker wie Martin Schulz warnen ebenso vor der nächsten Flüchtlingskrise wie diverse bayrische Gemeinden, die sich in ihren Kapazitäten erschöpft sehen. Ministerpräsident Seehofer ist ebenfalls sicher: „die Migrationswelle wird weitergehen“. Rund um das Mittelmeer sind die Menschen ungeachtet aller Hindernisse wieder vermehrt in Richtung Europa unterwegs. Manche befürchten da eine Wiederholung der Krise von 2015. Wenn dieser Zug nicht gestoppt werden kann, dürfte es nicht nur eine Wiederholung geben, sondern weit schlimmer aussehen.

 

Italien gerät als Erstaufnahmeland derzeit wieder an seine Grenzen, die Weiterreise der Ankömmlinge nach Mitteleuropa und vor allem Deutschland scheint nur eine Frage der Zeit. Damit beginnt auch erneut das „heiße Kartoffel Spiel“ der EU-Staaten, die sich die Menschenmassen gegenseitig zuschieben wollen.

 

Uwe Brandl, Präsident des Bayerischen Gemeindetags betonte, dass die Aufnahmebereitschaft der Bevölkerung erschöpft sei. „Der Fehler vom Herbst 2015 darf sich nicht mehr wiederholen„, so Brandl. Und es klingt wohl nicht zufällig wie eine Spitze in Richtung Merkel, wenn Brandl und andere Politiker betonen, dass das Problem eines sich abzeichnenden neuen Zustromes „nicht wegen des Bundestagswahlkampfes verdrängt werden dürfe“. Sieht so aus, als ob die primäre Problemlösestrategie der Kanzlerin mittlerweile allseits bekanntes Allgemeinwissen geworden ist …

 

Wieso hält der „Trend“ der Massenmigration trotz diverser Notmanöver wie dem Türkei-EU-Deal so ungebrochen an? Viele hofften ja, dass sich die Lage auch deshalb beruhigen würde, weil ja jetzt „der IS“ auf dem Rückzug sei und die Waffenbelieferung der syrischen „Rebellen“ vonseiten der USA eingestellt werden solle. Auch wenn es nach endlosen Rückzugsgefechten und einer Balkanisierung des Landes aussieht, scheint es doch zumindest eine gewisse Stabilisierung mit einer Zunahme von „ruhigen“ Zonen ohne Kampfhandlungen zu geben. Auch im Nachbarland Irak gab es mit der „Befriedung“ der zweitgrößten Stadt Mossul vermeintlich gute Nachrichten. Wenn jetzt noch die Regierung Merkel ihre ständige Unterstützung von Rüstungsdeals deutscher Firmen in den Krisenregionen zurückfährt, könnte es doch wirklich einmal etwas werden mit der von ebenjener Regierung ständig geforderten „Bekämpfung der Fluchtursachen“…

 

Oder auch nicht, denn die Hauptursachen für ständig neue Kriege bleiben ungeachtet aller kurzfristigen Änderungen und Entwicklungen bestehen: der Rohstoffreichtum, solange er Begehrlichkeiten von außen weckt, und der Fanatismus meist religiöser Art, der zum Teil ebenfalls schon seit langer Zeit von außen befeuert und ausgenutzt wird.

 

Damit werden uns natürlich entsprechend zwei wesentliche Fluchtursachen und Flüchtlingsquellen auf unabsehbare Zeit weiter erhalten bleiben. Und natürlich wird sich auch an DER Migrationsursache überhaupt (die selten bis gar nicht erwähnt wird) wenig ändern: der sogenannten Youth-Bulge. Diese „Jugendbeule“ ist in grafischen Darstellungen der Bevölkerungsstatistik vieler Länder zwischen Westafrika und Pakistan sichtbar: sie wölbt sich enorm stark auf der Seite der männlichen Bewohner in Höhe der Altersstufe 15 – 30. Deren Zahl wächst eigentlich immer – egal ob es in den betreffenden Ländern gerade friedlich oder kriegerisch zugeht. Mit diesem von dem Soziologen Gunnar Heinsohn untersuchten „Youth Bulge“-Phänomen hatten wir uns vor etwa einem Jahr näher beschäftigt. Heinsohn erklärt, warum die hohen Geburtenzahlen mit einem gesellschaftlich nicht aufzufangenden Überschuss an jungen Männern die betreffenden Länder ziemlich ungemütlich machen:

 

Nur ein, höchstens zwei Söhne können mit gesellschaftlichen Positionen versorgt werden. Die überschüssigen dritten und vierten Brüder, ehrgeizig und im besten Kampfesalter, emigrieren – oder holen sich ihre Position mit Gewalt. Wo es zu viele junge Männer gibt, wird getötet. Das führt zu Kriminalität, zu Bürgerkriegen, zu Genoziden an Minderheiten, Revolutionen, internationalen Kriegen oder Kolonisierungen. So lange, bis der Überschuss an Jünglingen weggetötet ist und die Geburtenzahl sinkt.

 

Damit ist eines klar: solange es keine fundamentalen Systemänderungen (nicht nur) in den Herkunftsländern der Massenmigration gibt, bleibt der „Nachschub“ an potentiellen männlichen Jungmigranten so gut wie unbegrenzt. Wer dachte, die Herkunftsländer müssten irgendwann mal vom Überdruck entlastet sein, sieht sich getäuscht. Und je mehr Flüchtlinge und Migranten sich weiterhin auf den Weg machen, desto weniger werden die Bevölkerungen der Aufnahmeländer mit Besonnenheit und Verständnis reagieren. Der neuerliche Kaufboom bei Pfefferspray und anderen legalen Selbstverteidigungswaffen kann durchaus als Vorzeichen in diese Richtung gesehen werden. Zudem scheinen die Vorstellungen von deren angemessenem Gebrauch in eine zunehmend offensive Richtung zu gehen. Zumindest unter jugendlichen Diskobesuchern in Ostdeutschland gilt offenbar manchmal das Motto „erst sprühen, dann fragen“. Solch unbedachter und dummer Einsatz führt nicht nur zu unnötigen Körperverletzungen, sondern auch zu immer neuen Verbotsforderungen und langfristig weiteren Einschränkungen von Bürgerrechten. Schlimmstenfalls ist eine Häufung solcher Fälle der Einstieg in eine Gewaltspirale, die uns auch hier im wohlregulierten Deutschland über den Kopf wachsen könnte. Das Feuerwerk von Hamburg hat zuletzt gezeigt, dass es an gestauter Aggression nicht mangelt. Sogar ohne „Jugendbeule“.

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