Finanzen: Bundesbank und IWF – Immobilien(blase) nicht mehr stabil

In den letzten Tagen warnten sowohl die Bundesbank als auch der IWF vor einer Immobilienblase in Deutschland. Als Schuldige haben sie dabei die Privatbanken und die Verbraucher ausgemacht, die sich in ihrer Leichtfertigkeit (mal wieder) gegenseitig überbieten. Und es stimmt ja auch, zumindest zum Teil: die Banken verlassen sich bei ihrer großzügigen Kreditvergabe auf die staatlichen Dauerretter, während die Konsumenten sich auf, nunja, vermutlich auf ihr Gottvertrauen verlassen. Die hochoffiziellen Mahner erwähnen aber nicht ihren eigenen Anteil an der Politik, die diese „unverantwortliche“ oder vielleicht auch einfach nur verzweifelte „Risikofreude“ miterschaffen hat. Und sie zahlen auch nicht die Zeche, die wohl bald fällig wird.

Die Bundesbank warnt wegen der langanhaltenden Niedrigzinsen und der Renditejagd von Geldhäusern vor dem Entstehen einer gefährlichen Immobilienblase in Deutschland“, heißt es im Tagesspiegel. Und in der Welt macht sich der IWF Sorgen: „Die stark gestiegenen Wohnpreise in Deutschland machen dem IWF Sorgen. An einigen Orten seien die Immobilienmärkte bereits heiß gelaufen. Sobald die Zinsen steigen, könnte das böse Folgen haben.

Vor drei Monaten hatte man die alarmierende Diagnose zwar auch schon gestellt, doch parallel dazu gleich die Beruhigungspille mit ausgeteilt: das Ende des Booms sei angeblich nicht absehbar. Nun ist es definitiv absehbar geworden, auch wenn nach wie vor „nur“ die „Boomtowns“ und „Metropolen“ in Deutschland von deutlichen Marktüberhitzungen betroffen sein sollen. Dort ist bekanntlich die Nachfrage nach neuen Wohnungen und Häusern nach wie vor groß. Darauf verlassen sich wohl auch weiterhin viele der Optimisten, genauso wie darauf, dass die Preise hoch und der Leitzins tief bleiben. Schaut man sich jedoch die Rahmenbedingungen an, kann einem der Optimismus schnell vergehen, denn die (mittlerweile wohl verdrängte) Hauptursache für den „Boom“ ist und bleibt das Nullzinsniveau, welches wiederum (ebenfalls wohl längst verdrängt) ein Fehlanreiz aufgrund der Rettungspolitik zugunsten des Bankensystems ist.

Wie schon häufig erwähnt, kann diese Rettungspolitik nur auf Kosten ständig weiter wachsender Defizite und Staatsschulden betrieben werden und ist darauf angewiesen, dass die Inflationsrate hoch bleibt bzw. steigt. Nur durch diesen ständigen Wertverlust können die Schulden und Neuschulden weiter umgeschichtet und „unter Kontrolle gehalten“ werden. Diese Abwertung der Währungen bewirkt bekanntlich auch den Schwund vieler Vermögenswerte und Rentenansprüche vieler Bürger, denen der Staat dann wiederum vorwirft, dass sie sich auf unsichere Anlageformen stürzen.

Sicher, es wirkt riskant und kurzsichtig, jetzt ausgerechnet auf den Immobilienzug aufzuspringen.  Doch es kann oder will eben nicht jeder in Edelmetalle gehen. Und nicht jeder hat die Möglichkeit, sich darüber ausreichend zu informieren und genügend Durchblick zu bekommen, um den „atypischen“ Verlauf der EM-Preise richtig zu beurteilen. Im Grunde kann man sich aus Sicht der Gold- und Silberfreunde ja bei der vermeintlich dummen Masse dafür bedanken, denn so bleibt weiterhin noch Zeit, sich einzudecken, bevor die Nachfrage Markt und Preis explodieren lässt. Jener Moment kommt dann, wenn die Immobilienparty vorbei ist und gleichzeitig oder kurz darauf weitere Blasen angestochen werden (dazu gleich nochmal).

Die Immobilienparty endet gesagt spätestens dann, wenn die Zeit des billigen Geldes vorbei ist. Manche denken zwar, diese könne ewig weitergehen, doch die Zweifel an dieser Extrempolitik waren bekanntlich schon immer groß und nehmen auch weiter zu. Das sieht jedenfalls Daniel Stelter in seinem Kommentar für die Wirtschaftswoche so:

Zugleich nehmen die Zweifel an der Wirksamkeit der Geldpolitik zu und das Vertrauen in die Allmacht der Notenbanken sinkt. Sollte es zu einem weiteren Vertrauensverlust im Zuge einer erneuten Krise kommen, könnten deutliche Zinssteigerungen allein aus der Tatsache resultieren, dass Investoren die Papiere bestimmter Schuldner meiden.

Für Stelter ist eben Genanntes einer von zehn Gründen „für einen Crash in den nächsten Monaten“. Die weiteren Gründe bestehen u.a. in weiteren Blasen wie denen auf den Aktien-, den Anleihe- und mittlerweile auch den Kryptowährungs-Märkten.

Bundesbank -Vorstand Andreas Dombret warnte in Bezug auf die Kombination aus Immobilienhype und Niedrigzinsumfeld vor einem „gefährlichen Cocktail für den Banken- und Sparkassensektor“. Man darf das wohl ein wenig erweitern und von der allgemeinen momentanen Marktlage als einem „gefährlichen Cocktail“ für das gesamte Finanzsystem sprechen.

Cover Stelter Die Krise ...

Lesetipp zum Thema Stand der Krise: Die Krise … ist vorbei … macht Pause … kommt erst richtig, von Daniel Stelter

 

 

 

 

Schreib einen Kommentar