Finanzen: Der Anti-Bargeld-Fahrplan: in wenigen Jahren ist Schluss

Wer sich mit Geld beschäftigt, schaut zur Zeit vor allem nach Indien. Ausgerechnet dieses Land, das ganz besonders auf funktionierenden Bargeldumlauf angewiesen ist, tut sich durch gewaltige Bargeld-Kontroll- und Abschaffungsexperimente hervor. Dass die indische Wirtschaft dabei nachhaltig beschädigt wird, scheint weder die Regierung in Delhi zu beeindrucken noch andere Länder vom Nachziehen abzuhalten. Wenn es eine Regierung wie die indische schafft, die Finanzarchitektur eines riesigen Landes derart schnell und gründlich durcheinanderzuwirbeln – wie schnell wird sowas erst in unserer viel stärker elektronisierten und digitalisierten Gesellschaft vonstattengehen?

Über das „Reform“Chaos in Indien hatten wir zuletzt mehrfach berichtet. Und wie sich jetzt herausstellt, handelt es sich bei den vielen logistischen und bürokratischen Problemen, die vor allem die einfache Bevölkerung treffen, keineswegs nur um kurzzeitige Übergangswehen. So drückt der anhaltende Mangel an großen Rupien-Scheinen mittlerweile derart auf die Absatzmärkte, dass auch große Konzerne die Produktion teils drastisch zurückfahren und mit massivem Stellenabbau begonnen haben:

Der Stellenabbau (bei Foxconn) gehe weiter, wenn die Nachfrage nach Smartphones bis Januar nicht wieder die Schwelle von 2 Millionen Stück erreiche, sagte die Person. Auch andere große Firmen bauen Stellen in großem Umfang ab. „Führende indische Unternehmen wie Intex, Lava und Karbonn planen, zwischen 10 Prozent und 40 Prozent ihrer Angestellten zu entlassen oder in den Zwangsurlaub zu schicken, nachdem die Währungsreform den Markt ausgetrocknet hat“, schreibt The Economic Times. Lava schließt sogar ein Werk mit 5.000 Arbeitern für eine Woche ganz.“

Angesichts dieser „Erfolge“ darf sich der indische Premierminister Modi fragen, ob man die Arbeitnehmer und Konsumenten gegen Kriminalität und Korruption impft, indem man sie in eine wirtschaftliche Notlage bringt. Auch die Amtskollegen in anderen Ländern sollten angesichts dessen doch eigentlich stutzig werden. Auch wenn die Bargeld-Abhängigkeit oder die Armut anderswo vielleicht nicht ganz so gravierend ist wie in Indien.

Die Realität sieht natürlich anders aus – die meisten Amtskollegen wollen einfach nur aufs Gaspedal drücken. Nach Indien ist auch die Regierung von Südkorea eifrig dabei, Gesetze zu erlassen, die den Zugriff der Bürger auf Bargeld beschränken und den Umlauf nach und nach erschweren sollen. Dabei geht man allerdings nicht so rabiat vor wie in Delhi, sondern macht den Menschen die schöne neue Welt in kleinen Portionen und mit scheinbaren Erleichterungen schmackhaft. So haben sich viele Südkoreaner mittlerweile an die „T Money“ Karten gewöhnt, mit denen sie in der U-Bahn, im Taxi und in 30 000 Geschäften des Landes zahlen und auf Münzen verzichten „können“. Laut südkoreanischer Notenbank werden nur noch 20 Prozent aller Zahlungsvorgänge mit Scheinen getätigt.

Korea ähnelt damit den skandinavischen Ländern, die sich ebenfalls zügig aus dem Bargeld verabschieden möchten. So nehmen mehr als die Hälfte der Zweigstellen der schwedischen Banken kein Bargeld mehr an. Gleichzeitig fordert die größte norwegische Bank, DNB, eine bargeldlose Gesellschaft.

Dass die Skandinavier sehr „fortschrittlich“ in diesem Bereich sind, ist weithin bekannt. Weniger bekannt ist, dass so gut wie jedes EU-Land schon einen oder mehrere Schritte auf dem Weg der Bargeldabschaffung gegangen ist. Meist handelt es sich um Höchstgrenzen für Zahlungen, die bspw. in Portugal bei nur 1000 € liegt. In Estland kann sogar die Barzahlung ab 50 Geldstücken oder -Scheinen verweigert werden, egal wie hoch der Wert ist. Michael Grandt hat hier eine sehr gute und übersichtliche Zusammenfassung erstellt.

Den wirklichen Hintergrund dieses Anti-Bargeld-Zeitgeists haben wir hier ja schon oft dargestellt – hier ist er nochmals in einem Zitat von Egmond Haidt  zusammengefasst:

Viele Länder sind sehr hoch verschuldet, weshalb sie sich das Geld von den Bürgern über Strafzinsen zurückholen wollen. Damit die Bürger nicht ausweichen können, muss aus Sicht der Regierungen und Notenbanken das Bargeld abgeschafft werden.

Wirklich begreifen werden das nur jene, die verschiedene Entwicklungen wie die Zusammenführung diverser Überwachungstechnologien (die ja ebenfalls oft als bequeme und nützliche „Apps“ für unseren Alltag eingeführt werden), die weltweite Staatsverschuldung und die weltweiten QE-Programme in einem Zusammenhang sehen. Die Mehrheit der Menschen hält das Ganze einfach für eine natürliche und sinnvolle Entwicklung hin zur Digitalisierung und wird sich dementsprechend in diesem von der Obrigkeit implementierten Zeitgeist ziellos treiben lassen. Und der führt, wenn es nach dem Willen unserer Politiker und Bankenchefs wie John Cryan geht, in spätestens 10 Jahren zum Ende des Bargelds.

Nur eine Minderheit wird nach Auswegen suchen und sich Kryptowährungen, Edelmetallen und alternativen Lebensentwürfen zuwenden. Die einen werden dann eines Tages überrascht dreinschauen, wenn Vater Staat sie plötzlich an die kurze Leine nimmt, während die anderen heilfroh über ihre verbliebenen Freiräume sind. Diese Freiräume werden umso größer, je mehr Menschen sich der aktiven und wachen Minderheit anschließen. Zu wem wollen Sie gehören: zu den einen oder zu den anderen?

Lesetipp zum Thema:   Cover Rettet unser Bargeld Max Otte

Rettet unser Bargeld! Max Otte erklärt, warum wir gegen das drohende Bargeldverbot kämpfen müssen und was Sie persönlich tun können.

 

 

 

 

 

 

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