Finanzen: Die Inflationslügen fliegen auf

Vom bunten Onlineportal Yahoo.de erreicht uns aus vorderster Reihe die große Schockmeldung: der Euro „könnte“ in 16 Jahren „nur noch die Hälfte wert sein“. „Neueste Analysen“ hätten das ergeben. Ach du Schreck, das ist ja wirklich eine Überraschung. Was meinen denn die besorgten Yahoo-Redakteure, wodurch sich unsere völkerverbindende Einheitswährung in den vergangenen 16 Jahren ausgezeichnet hat? Vielleicht durch eine Wertsteigerung um das Doppelte? Womöglich ist das Personal in so einer hippen Onlineredaktion ja dermaßen jung, dass man davon noch nichts mitbekommen hat. Das wäre ja nicht schlimm, aber dann müsste man eben mal ein bisschen recherchieren. Dann käme man nämlich schnell dahinter, dass der Euro von Anfang an den Weg allen Fiat-Geldes in einem Schuldensystem ging und auch ungebrochen weitergehen wird. Und momentan sieht es so aus, als ob er dabei noch einen ordentlichen Zahn zulegt.

Laut einem Bericht von „Focus“ gaukeln Politik und Medien den Verbrauchern nur vor, dass sie immer reicher werden. Tatsächlich steige die Inflation durch die gute Wirtschaft viel schneller an, als gedacht. Die Folge: Das Leben wird immer teurer. Schon jetzt sei es in der Realität dreimal so teuer, wie es eigentlich offiziell heißt.

Richtig analysiert bzw. korrekt abgeschrieben beim Focus. Allerdings ist nur der erste und der letzte Satz zutreffend. Denn dass „die gute Wirtschaft“ hauptsächlich aus der Nullzinsgeld-Bewässerungsanlage der Zentralbanken besteht, erfährt der Leser im Focus und bei yahoo leider nicht. Die immense künstliche Geldmasse der Notenbanken ist der hauptsächliche Anheizer der Inflation. Das Ganze mit der Formulierung „die gute Wirtschaft“ gleichzusetzen ist schon ein starkes Stück. Wie so oft im Mainstream haben wir hier ein Nebeneinander von korrekten, halbwahren und irreführenden Informationen. Korrekt ist jedenfalls auch der Hinweis auf die klaffende Lücke zwischen offizieller und real gespürter Inflation – bzw. die allgemein oft herrschende Kluft zwischen veröffentlichten Orientierungszahlen und tatsächlichen Verhältnissen (mehr zu diesem Thema auch in unseren anderen heute veröffentlichten Artikel):

Die Wirtschaft wächst und die Arbeitslosenquote sinkt – eigentlich gute Neuigkeiten oder? Dass diese Faktoren auch Auswirkungen auf die Inflation haben, scheint niemand zu berücksichtigen.

Laut Focus Money sollen die Abweichungen zwischen offizieller und realer Inflation seit vielen Jahren mehrere Prozentpunkte betragen. Die „reale Inflation“ wird anders als die Offizielle nicht durch den Preisvergleich eines bestimmten „Warenkorbs“ im Zeitverlauf berechnet, sondern durch das Abziehen der Wirtschaftswachstums-Rate vom Geldmengenwachstum.

Doch es ist egal, welchen Inflationsindex man nun für einen Blick in die nahe Zukunft heranziehen will – denn steigen werden sie alle. Daran ändern auch die „Vorhersagen“ der EZB nichts, die uns glauben machen möchten, dass die Inflation „weiterhin stabil“ in einem „beruhigend niedrigen“ Bereich zwischen 0 und 2% bleibt. So widerspricht der Internationale Währungsfonds der EZB deutlich, indem er klar und deutlich eine kontinuierliche Steigerung ankündigt. Zwar ist der IWF auch nicht unbedingt für besondere Glaubwürdigkeit bekannt, doch da er im Falle der Euro-Inflation weniger in Interessenskonflikte verstrickt ist als die EZB, ist er zumindest in diesem Falle die glaubwürdigere Quelle. Der IWF hat:

erst vor wenigen Tagen bekanntgegeben, dass die Inflationsrate in Deutschland steigen wird. Schritt für Schritt, wie es in einer Stellungnahme hieß“.

Nach Meinung von Watergate.tv gilt das selbst dann, wenn man die Energiepreise ausblendet, welche „im übrigen durch die Krisen im Nahen und Mittleren Osten wahrscheinlich anziehen werden“.

Zudem präsentiert der Watergate-Bericht die statistischen Hexhex- und Simsalabim-Methoden, mit denen Mario Draghi aus der demnächst erreichten Rate von 4% weiterhin eine offizielle Rate von 2% zaubert. Dieser Spuk wird aber schnell vorbei sein, und zwar aus zwei Gründe: erstens weil die Tricks und Manipulationen mittlerweile auch in der Mainstreampresse thematisiert und durchschaut werden und die Öffentlichkeit sich nicht mehr so plump und leicht täuschen lässt wie vor wenigen Jahren. Zweitens weil Sachwert-Anlagen wie Immobilien, Kunst oder Oldtimer, in denen der Großteil der Inflation bislang unbemerkt von der großen Mehrheit absorbiert wird, demnächst „gesättigt“ sein werden und die Teuerung von dort aus in weitere, allgemein sichtbare Anlage-, Spar- und Konsumbereiche „überschwappen“. Die Sichtbarkeit und Offenheit wird dann aber nicht viel nützen, denn es wird kaum noch möglich sein, das eigene Geld vor der beschleunigten Entwertung in Sicherheit zu bringen:

Wir werden jetzt eine Inflationsrate von – offiziell – 4 % erleben, wenn die Pläne der EZB sich verwirklichen. Das Geld, das wir vielleicht noch zuviel haben, weil gleichzeitig die Zinsen so niedrig sind und bleiben, müsste dann in Sachvermögen. Das aber ist schon so teuer. Ein Teufelskreislauf, der im übrigen beabsichtigt ist.

Er könnte in der Tat „beabsichtigt“ sein, denn die Folgen dieses Teufelskreises sind zwar für viele Sparer und Anleger fatal, verschonen aber das Gesamtsystem eher als eine gelungene Massenflucht der gesamten Anlegerschar. Alles in allem gehört dieses Jonglieren zwischen Pest- oder Cholera-Optionen zu den politischen Bändigungsversuchen eines kollabierenden Finanzsystems. Doch wie wir schon vor zwei Monaten im Fazit des Artikels „Rückkehr zur Inflation“ schrieben, zeigt gerade die Entwicklung der Inflationsrate, dass diese „Bändigung“ immer schwieriger wird.

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