Finanzen: EZB-Kaufprogramm wird Bond-Crash nicht verhindern

Das europäische Zentralbankensystem dreht den Schuldenstaubsauger eine Stufe höher: seit Anfang April hat die EZB in Frankfurt im Verbund mit den nationalen Zentralbanken des Euro-Raumes ihre Anleihekäufe nochmals erweitert. Das Volumen der Staatsschuldenkäufe stieg von ohnehin schon gewaltigen 60 Milliarden auf 80 Milliarden Euro pro Monat. Insgesamt haben die „Währungshüter“ seit Beginn des Programms vor zwei Jahren Staatsanleihen und andere öffentliche Schuldentitel im „Wert“ von 1,474 Billionen aufgekauft. Den Staatsschuldenkollaps kann man damit wohl noch auf unbestimmte Zeit verzögern, dem möglichen Crash der Anleihen steht man jedoch machtlos gegenüber.

Es ist fast schon in Vergessenheit geraten: das EZB-Anleihekaufprogramm ist pures Krisenmanagement und im Grunde ein Dauerwahnsinn, der inzwischen als Normalität verkauft wird. Wenn Börse-Online meldet, dass das monatliche Volumen demnächst „jedoch auf 60 von zuletzt 80 Milliarden Euro sinken“ soll und eher beiläufig und kommentarlos berichtet, dass das „Gesamtprogramm“ mindestens bis zum Jahresende laufen und ein Volumen von 2,28 Billionen Euro erreichen soll, dann klingt das für unbedarfte Leser irgendwie nach einem ganz normalen und planvollen Routinevorgang. Dass die mittlerweile erreichte, oben genannte Bilanzsumme von 1,4 Billionen Euro absurd hoch und gefährlich ist, muss sich der geneigte Leser selbst hinzudenken.

Laut Hartgeld-Kommentar sind die EZB-“Investitionen“ zuletzt vor allem in deutsche Bundesanleihen geflossen, erkennbar daran, dass deren Renditen „auffälligst“ zurück gingen:

Schon seit Mitte März sieht man eine auffällige Korrekturbewegung in diesen Märkten, Mitte März waren die Märkte in einer ausgesprochen guten Position, von den Kursen her nach unten auszubrechen. Diese kurzfristige Korrekturbewegung dürfte ein Ausdruck der blanken Panik sein. „Gerade noch einmal geschafft“, dürfte es im EZB-Turm heißen. Interessant, man will wirklich keine Aufregung vor Ostern.

Dass sich das Kaufprogramm, das ursprünglich „nur“ für „Ramschanleihen“ ökonomisch schwächerer Schuldner und Staaten gedacht war, mittlerweile auch auf die „sicheren“ und „rentablen“ Bundesanleihen erstreckt, sollte ebenfalls aufhorchen lassen. Doch das nur am Rande, wichtiger ist momentan der Blick auf das Leitzinsniveau, welches unter anderem auch wegen der Geldflut der Zentralbanken auf dem momentanen Nullniveau verweilt, womöglich aber nicht mehr lange dort bleiben wird.

Neben dem Nullzinsniveau war das EZB-Anleihekaufprogramm einer der „stabilisierenden“ Faktoren der Kreditmärkte, da er viele institutionelle und private Anleger dazu verleitete, auf langfristige Staatsanleihen zu setzen. Nun pfeifen es die Spatzen seit langem von den Dächern, dass ein deutlicher Anstieg des Zinsniveaus demnächst unvermeidlich ist und die Währungshüter hier auch nicht allzu viel zu (ver)hüten können. Die Reaktion „der Märkte“ auf die bald erwartete Zinswende lässt sich nun mal nicht in gleichem Maße kontrollieren wie die Ausgabe von Schuldscheinen.

Aktuell geht unter Profianlegern „die Angst vor dem großen Zinsschock um“ wie u.a. Welt und Focus-Online berichten. Ähnlich wie viele andere professionelle Investoren hält Carl Weinberg, Chefökonom beim unabhängigen Analysehaus High Frequency Economics das derzeitige Zinsniveau für viel zu niedrig und fürchtet eine „heftige Korrektur am Anleihemarkt, die die gesamte Finanzmarktstabilität gefährden könnte.“ Grund ist der jüngste Anstieg bei der Inflation, der sich in keiner Weise in den Renditen niedergeschlagen habe. Sollten sich die Kurse langjähriger Bundesanleihen demnächst „endlich“ so an die Kerninflation anpassen, wie sie es im langfristigen historischen Mittel zu tun pflegen, würde das einen Kurssprung von 0,22 auf 4,18% bedeuten. Das wäre ein Erdbeben, welches gewaltige Löcher in die Portfolios von Sparern und institutionellen Anlegern wie Versicherungen und Banken reißt und zu Kettenreaktionen führen kann.

Angekündigt wird dieses Kursbeben schon seit geraumer Zeit, der ganz große Knall blieb bislang aus. Da nun jedoch das Wahnsinns-Kaufprogramm der EZB an absolute Grenzen stößt, kann der nächste Zinsschock von dieser Seite nicht mehr abgefedert werden. Deshalb wundert es nicht, dass auch die Mainstreammedien den großen Knall für demnächst ziemlich unverblümt verkünden.

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