Finanzkrise: HSH Nordbank – 8108 Euro pro Steuerzahler

Was ist der Vorteil an Terrorismus, Flüchtlingskrise und Rassismusdebatten? Richtig, die drögen Finanzthemen geraten in den Hintergrund. Dröge sind die ja auch deshalb, weil es keinen exotischen Feind aus fremden Kulturen gibt, der für Dramatik sorgt und dem man die Schuld an allem geben kann. Doch es zeichnet sich auch eine immer größere Parallele zwischen dem Terror- und dem Finanzthema ab: auch Letzteres scheint nun in einen Dauermodus auf kleiner Flamme versetzt und so lange weitergeköchelt zu werden, bis es irgendwann … nun ja, entweder auf bislang unbekannte Weise verschwindet oder uns nach den bekannten Naturgesetzen um die Ohren fliegt.

Dabei hatte alles so schön angefangen, nämlich mit großen Plänen zweier CDU-Landesväter: Peter Harry Carstensen aus Schleswig Holstein und Ole von Beust aus Hamburg wollten vor der Finanzkrise von 2008 mal was richtig Großes machen und ihre gemeinsame Landesbank zu einer Hausnummer von Weltgeltung auf dem globalen Finanzparkett hieven. Dafür trimmten sie die halbstaatliche HSH Nordbank auf Profitabilität, sprich volles Risiko und:

sorgten damit für einen der unglaublichsten Finanzskandale der jüngeren Zeit. Als die Bank 2009 in der Bugwelle der Finanzkrise Leck schlug, hatte sie ein Schifffahrtsfinanzierungsportfolio in Höhe von rund 33 Mrd. Euro in ihren Büchern, das sich mit dem Beginn der Krise in der Handelsschifffahrt als problematisch herausstellte.

Es kam, wie es immer kommt: zunächst schraubten die Banker scheibchenweise die Gewinnerwartungen herunter, dann verkündeten sie scheibchenweise die steigenden Verluste. Kurz darauf mussten die Länder mit Garantien über 10 Milliarden Euro einspringen und 3 Milliarden direkt in die HSH pumpen. Und natürlich hatte auch die HSH längst ihre eigene Bad Bank, mit der sie Verluste-Pingpong spielt. Das trickreiche Verschieben ändert allerdings wenig daran, dass insgesamt bis zu 33 Milliarden € Miese aufgelaufen sind, die nun darauf warten, vom Steuerzahler aufgefangen zu werden. Jens Berger von den Nachdenkseiten hat hier nachgerechnet und spricht bei der zu erwartenden Neuverschulung für die Länder Hamburg und Schleswig-Holstein von 8108 € Neuschuldenlast pro Einwohner.

Dass in diesem Pleite-Prozess über all die Jahre gelogen und verschleiert wurde, dass die Schwarte kracht – geschenkt. Es ist eben einfach die Standardmelodie der Krise: Politiker verheben sich mit Prestigeprojekten, Spekulanten freuen sich über schnelles Geld und irgendwer muss für den entstandenen Schaden aufkommen. Dieser „Irgendwer“ sind natürlich wir Normalbürger. Mit jeder weiteren versenkten Milliarde auf Landes- und Bundesebene rücken wir weg von bloßen Garantien hin zum konkreten Zahltag.

Wir sehen hier einmal mehr, dass es sowohl in der Finanz- als auch in der Realwirtschafts-Krise nicht zu einer dauerhaften Entspannung, sondern zum ständigen Aufflackern der alten und neuen Brandherde kommt. Uns kommt das Ganze nur nicht mehr so dramatisch vor, da bislang noch immer gerade so rechtzeitig eine Löschdecke über das jüngste Feuer geworfen wird. Und an gestiegene Temperatur und sinkenden Sauerstoffgehalt der Luft gewöhnen wir uns.

Die Landesbanken mit ihren faulen Reedereipapieren sind ein global nebensächlicher, national aber bedeutender Brandherd, der jetzt wieder aufflackert. Zuletzt berichteten wir Anfang September über die schlingernde Großreederei Hanjin und die dort involvierte Nord-LB. Auch dieser Brand wurde zwischenzeitlich zwar eingedämmt, aber nicht gelöscht. Im Gegenteil, die Nord-LB versucht ihre Bilanz durch Fusionen zu aufzuhübschen und Hanjin ist zwischenzeitlich noch näher an die Pleite gerückt. Und auch sonst gilt:

Eine Besserung ist nicht in Sicht, denn die Transportpreise für Container (Frachtraten) und die Mietpreise für Handelsschiffe (Charterraten) sind im freien Fall. „Die Situation in der Schifffahrt ist so schwierig wie noch nie“, sagt der Hamburger Insolvenzverwalter Berthold Brinkmann, der schon etliche zahlungsunfähige Fonds abgewickelt hat: „Ein kurzfristiger Aufschwung ist nicht ersichtlich.“ Grund für die Krise, die seit mehr als acht Jahren andauert, ist das gewaltige Überangebot an Tonnage. Hinzu kommt die schwächelnde Weltwirtschaft, welche die Nachfrage nach Containertransporten im Moment stark belastet.

Die realwirtschaftliche Grundlage für die Finanzjonglagen der Regionalpolitiker und Bankenvorstände aus dem Norden der Republik bleibt also weiterhin sehr dünn. Deshalb ändert sich auch nichts an dem Fazit, dass wir vor vier Monaten zum Thema Schifffahrt und Bankenkrise gezogen haben:

Da man bei der LB (Norddeutsche Landesbank) und anderen Geldhäusern nicht daran glaubt, dass sich die Lage in der Seetransport-Branche grundlegend erholen wird, dürfte der Stresspegel bis auf weiteres hoch bleiben. Über das Volumen an Derivaten, die an den Schiffkrediten hängen, kann nur spekuliert werden.“

Zudem schrieben wir von dieser Situation als einem „Fanal für das Ende des “mühelosen” Auf-Pump-Wachstums des Massenkonsums“. Das war dramatisch formuliert, doch angesichts der jüngsten Schildbürgereien des Finanz- und Politestablishments brennt dieses Fanal heller denn je und wir sind dem Ende der sorglosen Schuldenparty wieder einen Schritt näher.

Lesetipp zum Thema: Tatort HSH Nordbank von Norbert Weber cover-tatort-hsh-nordbank

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