Höhenflug der Aktien: Absturzalarm diesmal echt?

Letzte Woche standen die Anleihen im Vordergrund: viele Anleger und Analysten fürchten dort demnächst eine „heftige Korrektur“, vor allem wegen der zu erwartenden steigenden Inflation. Diese Woche scheinen die Aktien wieder in den Fokus zu rücken: diverse Finanzseiten und -Portale sehen Rezessionssignale und schlagen Alarm. Auch anerkannte Experten wie Manfred Gburek mahnen zu erhöhter Vorsicht. Ein Auslöser für diese Unruhe ist natürlich die Kapriolen schlagende Außenpolitik der Trump-Regierung. Diese ergibt zusammen mit dem aktuellen Verlauf des Wirtschaftszyklus und der Art der „Staatsschuldenbekämpfung“ durch die Zentralbanken eine Mixtur, die einmal mehr heftig brodelt.

Diese Mixtur wurde im Grunde schon mit dem Beginn des Staatsschuldenexperimentes Mitte der 90er Jahre aufgesetzt und seitdem immer mal wieder hochgekocht. Die Hauptzutat ist das weltweite stetige Wachstum der öffentlichen und privaten Schulden. Gelegentlich werden „Gewürze“ hinzugegeben, die das Gebräu zum potentiellen Sprengstoff machen. Und aktuell wird wieder einmal besonders scharf nachgewürzt, denn der faulige Geschmack der realwirtschaftlichen Ungleichgewichte und Fehlentwicklungen lässt sich insbesondere im Schuldenmutterland USA nur mit größter Mühe überdecken.

Dabei wollte die Notenbank Fed mit der groß angekündigten Zinswende doch gerade jetzt ein wenig Eigengeschmack zulassen, vermutlich weil sie hoffte, dass er sich in der Zwischenzeit irgendwie von selbst gebessert hat. Doch weil das nicht der Fall ist, droht mit der Normalisierung der Zinsen ein ungebremster Absturz diverser Branchen und in der Folge natürlich auch der Aktien der betreffenden Unternehmen. Warum? Weil mit der künstlichen „Würze“ der Fed und fast aller anderen Notenbanken auch die Spekulationsblasen in fast allen Anlageklassen angeheizt und erhalten wurden. Dadurch ist ganz nebenbei das gesamte Finanzsystem „zum Kartenhaus und Selbstbedienungsladen einiger weniger“ verkommen, wie Börsenexperte Claus Vogt treffend anmerkt.

Vogt sieht nun auch das Ende des „auf Pump finanzierten Konjunkturaufschwungs“ gekommen. Dessen baldiges Ende wurde zwar in den letzten Jahren oft genug (falsch) vorausgesagt, doch es kommen eben immer wieder neue Argumente hinzu, die für ein gefährliches Hochkochen der Gewürzmixtur sprechen. Und diesmal ist es eben ein besonders „gutes“, nämlich die Außenpolitik Donald Trumps, die immer mehr an George Bush Jr. und Revolverhelden denken lässt.

Doch der politische Aspekt ist längst nicht alles, lenken wir den Blick zurück auf die realwirtschaftlichen Entwicklungen. Hier präsentiert Vogt einen sehr interessanten „Rezessionsindikator“, dessen genaue Datengrundlage allerdings nur die Leser seines Börsenbriefes zu Gesicht bekommen. An dieser Stelle reicht es zu wissen, dass der Indikator laut Vogt in der Vergangenheit noch nie ein „Fehlsignal gegeben“ hat. Die Grafik sieht auch ohne Detailkenntnis der Kennzahl tatsächlich ungewöhnlich „treffsicher“ aus: nach ausnahmslos jedem markanten Knick der Kurve hat es mit etwa einem Jahr Abstand in den vergangenen fünf Jahrzehnten tatsächlich eine Rezession in den USA gegeben. Und die Wirtschaftslage der USA beeinflusst trotz aller Verfälschungen immer noch den Dow Jones Aktienindex, welcher wiederum deutlich auf den DAX und andere Börsenindizes abzufärben pflegt. Nun hat der Vogt’sche Indikator um 2015/2016 herum den letzten markanten Knick hingelegt.

Die meisten anderen Analysten schauen momentan vor allem auf den Volatilitätsindex VIX, der sich in der Regel spiegelbildlich zum Dow Jones verhält. Er bildet momentan eine Keilformation aus, die erfahrungsgemäß eine Ausbruchsbewegung nach oben ankündigt:

Ein niedriger VIX zeigt an, dass sich die Marktteilnehmer wenig absichern. Das tun sie in der Regel in den Marktphasen, in denen sie keine größeren Probleme erwarten. Sehr niedrige VIX Werte zeigen Sorglosigkeit an. Sehr hohe VIX werte zeigen Panik im Markt an.“

Entsprechend umgekehrt bewegt sich der Dow Jones dann erfahrungsgemäß steil nach unten. Der Top-Anlageexperte Manfred Gburek spricht gar schon vom „nächsten Crash“.

Es mangelt auch abgesehen von Charts und Indizes nicht an Vorzeichen für einen Aktiencrash. Eines davon ist laut Claus Vogt die lange Dauer des bisherigen schwachen und mit viel Energieaufwand angetriebenem Aufschwungs. Dessen ohnehin schon ineffizienter Antrieb dürfte mit der nächsten angekündigten Leitzinserhöhung noch mehr lahmen. Auch die „Trump Euphorie“, sofern es sie wirklich gegeben hat, löst sich so langsam in nichts auf: der Aufschwung-Tiger mit Prognosen von 2,5% Wachstum im Februar ist zu einem Bettvorleger mit korrigierter Prognose von 1% geworden. Wenn die Atlante-Fed, von der die Schätzungen stammen, so schnell weiter korrigiert, steht die Abschwungprognose unmittelbar bevor.

Bislang hat sich der quasi-natürliche Schwankungszyklus der Wirtschaftsleistung noch nie wirklich unter Kontrolle bringen lassen – und dass dieses finanz- und wirtschaftspolitische Kunststück ausgerechnet jetzt gelingen soll, ist eher unwahrscheinlich. Die Signale zeigen deutlich an, dass die Mixtur wieder heftig gärt. Explosionsalarm gab es aber in den letzten Jahren zu oft, als dass außerhalb des Börsenparketts noch wirklich jemand hochschrecken würde – wird auch diesmal wieder nichts so heiß gegessen wie es gekocht wird?

    Keine Treffer

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