Korea“krise“: ist die Gefahr gebannt?

Wenn man überzeugt ist, die ganze Welt gehöre einem, hat jeden Krieg immer der Andere angefangen. Auf dieser Redundanzschleife ruht das komplette (und im Sinne einer „proaktiven Konfliktstrategie“ äußerst praktische) territoriale Selbstverständnis eines US-Imperiums, das auch in der „Nordkoreakrise“ wieder zum Einsatz kommt. Wenn man praktisch überall auf der Welt „zuhause ist“, ist es fast egal, wohin Nordkorea seine Raketen zu schießen droht. Denn es ist garantiert immer irgendeine US-Basis oder ein „Verbündeter“ in der Nähe, sodass sich Washington auf seinem eigenen Territorium angegriffen fühlen kann. Für Zündstoff ist trotz des jüngsten „Einlenkens“ der nordkoreanischen Führung reichlich gesorgt.

Vordergründig ist es die Konfrontation zweier unbeliebter Machthaber: Operettendiktator Kim Jong-un zündet Testraketen, um den Feinden zu zeigen, dass er nicht ohne hohen Preis zu beseitigen ist, während Rumpelpräsident Trump nur zu gerne jede dieser vermeintlichen Provokationen aufgreift. Wegen der kriegerischen Vorgeschichte sowie der möglichen Bündnispflichten und anderer Verwicklungen mehrerer Großmächte finden diese Zündeleien allerdings auf einem ziemlich großen Pulverfass statt.

Der Grund, warum die momentane Beruhigung nur eine kurze Verschnaufpause sein dürfte, ist schnell erklärt: die geostrategische Grundausrichtung und -konstellation der USA sowie des Rests der Welt hat sich nicht im geringsten verändert. Der Militärisch-industrielle-Komplex giert weiterhin gemeinsam mit der Finanzindustrie nach Ressourcen und Absatzmärkten, ebenso wie die Trump-Administration weiterhin außenpolitische Ablenkung vom abzusehenden Scheitern des innenpolitischen „Great-Again-Programms“ benötigen wird. So wirkt es kaum verwunderlich, dass Trump den verbalen Pöbelfaktor trotz der „Entspannungssignale“ aus Pjöngyang hoch hält.

Der Publizist und ehemalige stellvertretende Finanzminister der USA, Paul Craig Roberts veröffentlicht regelmäßig Analysen zu diesem Themenkomplex und hat auch zu Nordkorea wichtige Hintergrundinformationen zusammengetragen. Laut Roberts verfügt Nordkorea gar nicht über die militärische Stärke, um ein von den USA protegiertes Land wie Südkorea oder Japan anzugreifen. Auch sei man für einen solchen Krieg von der Erlaubnis Chinas abhängig, die nicht erteilt werden würde.

Es ist das Gleiche wie bei der Dämonisierung des Irans. Die inszenierte „Bedrohung“ durch den Iran wurde als Deckmantel genutzt, um Stützpunkte für die US-Raketenabwehr an Russlands Grenzen zu errichten. Ein Raketenabwehr- bzw. ABM-System dient dazu, atomar bewaffnete Interkontinentalraketen (ICBMs) abzufangen und zu zerstören und so zu verhindern, dass sie ihre Ziele erreichen.

Es geht letztendlich um die Erlangung von Unantastbarkeit selbst im Falle eines atomaren Schlagabtauschs zwischen Supermächten. Die USA versuchen sich laut Roberts in eine Position zu bringen, aus der heraus sie Erstschläge gegen Russland und China durchführen und die dann folgenden Vergeltungsschläge abfangen können. Das käme salopp gesagt der absoluten Weltherrschaft gleich. Das sehen nicht nur „Verschwörungstheoretiker“ so, sondern auch die russische (im Falle Iran) und die chinesische Regierung (im aktuellen Fall). Warum durchschaut der Großteil der Öffentlichkeit ein solch durchsichtiges Spiel nicht? Zum einen wohl aufgrund einer gewissen naiven Gutgläubigkeit, die Regierungen weltweit immer noch entgegengebracht wird, zum anderen aufgrund künstlich geschaffener Komplexität:

Um die US-Bevölkerung zu verwirren, bezeichnet Washington Raketenabwehrsysteme nun als Terminal High Altitude Area Defense (THAAD). Den Chinesen ist klar, dass das THAAD-System nichts mit dem an Südkorea grenzenden Nordkorea zu tun hat, da es für Nordkorea sinnlos wäre, Südkorea mit Interkontinentalraketen anzugreifen – es dient etwaigen Vergeltungsschlägen Chinas.“

Es dürfte klar sein, dass weder Russland noch China hier mit im Schoß gefalteten Händen zuschauen werden. So geht das ständige Ringen um totale Kontrolle endlos von Runde zu Runde und bleibt die wesentliche Triebfeder für die vielen „Umtriebe“ der weltweiten „Feinde“ des US-Imperiums. Das Hochrüsten geht ständig weiter, ungeachtet diverser ständig erneuerter Abrüstungsabkommen, UN-Regeln und anderer Lippenbekenntnisse. Der Fall Nordkorea ist nur ein weiterer Beweis dafür – und ein Hinweis darauf, dass dieses Zündelspiel jederzeit unvorhergesehene Haken schlagen und außer Kontrolle geraten kann. So hatte das „isolierte“ Regime in Pjöngjang offiziell nie eine Möglichkeiten, sich Waffentechnologie zu besorgen, die dem wirklichen US-Territorium gefährlich werden könnte. Doch dann findet sich plötzlich ein Weg, das benötigte Equipment einfach „hintenrum“ zu besorgen – und zwar ausgerechnet aus den Raketenschmieden der US-verbündeten Ukraine (sofern die Informationen der NY Times stimmen.)

Solche überraschenden Wendungen bleiben in keinem Konflikt aus. Sie ziehen ungeachtet aller offiziellen Regelungen weitere Konfliktparteien heran und liefern immer neuen Stoff für immer neue Affronts und Anschuldigungen – die jederzeit in einem militärischen Erstschlag gipfeln können.

Lesetipp zum Thema: Amerikas Krieg gegen die Welt …und gegen seine eigenen Ideale, von Paul Craig Roberts

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