Krisenvorsorge mit Kindern – Spiel und Übung für die Krise

Während die Entwicklung von Selbstkompetenzen bei Kindern in vielen sozialen Situation anschaulich gefordert und gefördert werden können, ist es schwer, den Kleinen und Großen methodisches Wissen zur Bewältigung von Krisen zu vermitteln. Hier hilft der Alltag nur bedingt weiter. Besser ist es, ein eigens für die Krisenvorsorge entwickeltes Bildungsprogramm umzusetzen. Je nach Situation gibt es dafür verschiedene Möglichkeiten – von der allgemeinen familiären Freizeitgestaltung bis hin zu speziellen Interessensgemeinschaften aus Preppern.

Egal, für welche Wege man sich entscheidet: Die Freude des Kindes am Tun und Lernen sollte im Vordergrund stehen und nicht das strenge Vermitteln von Wissen. Im vorigen Teil dieser Serie zeigten wir, welche Schlüsselqualifikationen Kinder und Jugendliche benötigen, um bei gesellschaftlichen Krisen standfest zu bleiben. Die Schulung des Geistes und ausgewählter Charaktereigenschaften sind ein wesentlicher Teil der Krisenprävention mit Kindern. Je selbstsicherer und autonomer die Kinder und Jugendlichen denken, urteilen und handeln, desto höher ist die Chance, dass sie auch in Krisen angemessen agieren. Ein solch starker Charakter entwickelt sich aber nicht mit Zwang oder eingeschränkten Weltbildern, sondern durch Weitsicht, Entscheidungsfreiräume und Reflexion. Für die Vorbereitung auf gesellschaftliche Krisen fehlt allerdings noch der methodische Aspekt, sprich die Fähigkeiten und Fertigkeiten, um in Hungerzeiten, Epidemien oder Kriegen bestehen zu können.

Allgemeine methodische Kompetenzen

Unter den allgemeinen methodischen Kompetenzen sind alles Wissen und alle Fähigkeiten zu verstehen, mit denen Kinder und Jugendliche mit ihrer Umwelt interagieren. Diese Kompetenzen können im Alltag entwickelt werden und ergeben sich insbesondere durch psychomotorische Aktivitäten wie Sport, Bauen, Gartenarbeit, Wandern oder Ähnliches. Darüber hinaus ist auch allgemeines Wissen relevant, mit dem die Heranwachsenden sich die Welt erschließen können. Vieles davon wird in den Schulen vermittelt, doch um es wirklich zu verinnerlichen, brauchen die Kinder und Jugendlichen einen Bezug zu diesen Wissenselementen. Ein einfaches Beispiel für solch einen Bezug ist das Betreiben eines Gartens. Die Kinder können hier einen sinnlichen Bezug zu Anbau, Ernte und Verwertung von Gemüse oder Obst herstellen. Die damit entstehenden allgemeinen Kompetenzen zielen noch nicht unbedingt auf eine Krisensituation ab, sondern sind grundlegende Fertigkeiten, auf denen die spezifischen Kompetenzen entstehen.

Spezifische methodische Kompetenzen

Diese ermöglichen es Kindern und Jugendlichen, im Angesicht gesellschaftlicher Krisen eigenverantwortlich und autonom zu leben, werden allerdings in den Schulen kaum gefordert oder gefördert. Auch in den Elternhäusern kommt es kaum zu solchen Bildungsprozessen. Will man aber Kinder dahingehend bilden, dass sie auch in schlimmen gesellschaftlichen Bedingungen handlungsfähig bleiben, brauchen sie anwendbares Wissen. Ansonsten besteht die Gefahr, von Gefühlen der Hilflosigkeit oder Ohnmacht gelähmt zu werden.

Hier gilt der Leitsatz: „Grabe den Brunnen, bevor du Durst hast.“ Die Heranwachsenden sollten die „Überlebensmethoden“ in Zeiten einer sicheren Gesellschaft lernen. Sie sollen dabei nicht gedrillt werden, indem man auf sie Druck ausübt oder ihnen gruselige Untergangsszenarien ausmalt. Sie sehen die Welt, wie sie aktuell ist. Und da wirkt es – zum Glück – noch eher befremdlich, wenn die eigenen Eltern von (bevorstehenden) Bürgerkriegen oder Hungerkatastrophen sprechen.

Um den Kindern also diese speziellen methodischen Kompetenzen zu vermitteln, sollten viele motorische und mobile Grundfertigkeiten geübt werden wie Schwimmen, korrektes Laufen, Klettern oder auch Autofahren, Reiten und Flugsport. Wenn sich tiefere Interessen herausbilden, bieten sich dauerhafte Vereinsmitgliedschaften an. Besonders interessant ist natürlich der Bereich Outdoor: Camping, Wandern oder Kurse zum Überleben in der Wildnis. Für kleinere Kinder kann man Pfadfindervereinigungen aufsuchen. Für die größeren sind Abenteuer-Camps gute Möglichkeiten. So lernen die Heranwachsenden Nahrungsmittelsuche und –verarbeitung, Orientierung ohne technische Hilfsmittel, Biwakieren, Erste Hilfe, Krankentransport, Fährtenlesen, Wasseraufbereitung usw.

Es ist also nicht nötig, den Kindern ein bestimmtes Lernprogramm aufzubrummen. Besser ist es, die Methoden in diversen Möglichkeiten der Freizeitgestaltung zu entdecken und Angebote zu unterbreiten, die Neugier, Interesse und Freude wecken. Gelegentlich kann man aber durchaus Umgebungen bzw. Lernarrangements schaffen, in denen Merkmale gesellschaftlicher Krisen inszeniert sind. Kommt es dann zu einer wirklichen Krise, können Heranwachsende die mit Interesse erlernten Kompetenzen viel leichter anwenden und bleiben so viel wahrscheinlicher handlungsfähig.

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