Krisenvorsorge mit Kindern – Teil 2

Wie wir im vorigen Artikel festgestellt haben, besteht Krisenvorsorge mit Kindern vor allem aus einer Erziehung zu Autonomie und Souveränität. Diese beiden Kompetenzen können im Alltag kultiviert werden und unter einer Art „Anleitung zum Selberdenken“ zusammengefasst werden. Kinder brauchen, will man sie auf Krisen vorbereiten, eigene Standpunkte und ein hohes Reflexionsvermögen. Nur dann können sie Krisen oder Krisenpotentiale rechtzeitig auch selbst erkennen.

Wer die Verantwortung für Kinder trägt und diese auf Krisensituationen vorbereiten will, sollte die Elemente der Krisenvorsorge „unauffällig“ in den Erziehungsalltag einfließen lassen. Dabei sind die Kinder und Jugendlichen stets zu selbstständigem Denken und Handeln anzuregen. Diese Selbstständigkeit ist es, die sie später nutzen können, um in Krisen effektiv zu handeln. Sie umfasst aber auch die Denkprozesse: sich selbstständig eine Meinung bilden, selber Urteile fällen, Pläne entwickeln, Vorstellungen aufbauen, usw.

Meistens übernehmen Kinder und Jugendliche die Vorstellungen und Haltungen von ihren Sozialisationsinstanzen, also den Eltern oder den Lehrern. Das ist die „natürliche Programmierung“ und keineswegs verkehrt. Für eine Krisenvorsorge ist es aber notwendig, dass ein Individuum sehr schnell auf eigenen Füßen stehen kann.

Selberdenken für Krisenvorbeugung

Man kann Kindern nur das selbstständige Handeln und Denken vermitteln, wenn man als Erwachsener selbst diese Kompetenzen vorweisen kann. Ein altes Sprichwort sagt: „Man kann Kindern beibringen, was man will, am Ende machen sie doch nur alles nach.“ Wer als Erwachsener also um ein eigenes Urteilsvermögen bemüht ist, sachlich die gesellschaftlichen Entwicklungen wertet und auch Krisen nicht nur als Untergangsszenario, sondern auch als Chance erlebt, der wird mit hoher Wahrscheinlichkeit seine Kinder motivieren, in ähnliche Richtungen zu denken und handeln. Beispielsweise kann man mit den Kindern gemeinsam Regeln vereinbaren oder Erlebnisse reflektieren. Zu bestimmten Themen sollten unterschiedliche Standpunkte eingenommen oder überlegt werden. Man sollte Kinder nicht in die eigenen Denkbahnen zwingen, sondern stets den Raum offenhalten für deren eigene Gedanken und Gefühle. So entsteht mehr Selbstständigkeit im Denken und Handeln und die Kinder sind eher bereit, für sich selbst Verantwortung zu übernehmen. Diese Verantwortung ist es, die sie in Krisen überlebensfähig werden lässt, denn sie vertrauen ihr Schicksal nicht einfach anderen Menschen an, sondern entscheiden für sich selbst (mit), was für sie am besten ist. Auch wenn in der Schule das selbstständige Denken und Handeln offiziell als Bildungsziel angestrebt wird, sieht die Wirklichkeit anders aus: Dort lernen sie, sich in vorgegebenen Strukturen zu bewegen, ohne diese selbst zu hinterfragen.

 Pädagogik im Spiegel der Krise

Wer seine Kinder auf Krisen vorbereiten will, sollte also den Alltag entsprechend gestalten, indem er die Rahmenbedingungen für Selbstständigkeit und Autonomie schafft. Mit größeren Kindern kann man über gesellschaftliche Phänomene diskutieren. Mit kleineren Kindern bietet sich das Spiel als pädagogische Methode an. Statt den Kindern einen Lösungsweg vorzugeben, sollen sie selbst tätig werden, experimentieren und Entdeckungen machen. Das eigenständig erkannte Wissen „sitzt“ viel tiefer als das von Erwachsenen vorgegebene.

Wer Kinder krisenpräventiv erziehen will, sollte sich Gedanken machen, was in einer Krise auf ein Individuum zukommen könnte. Hierfür gibt es bekanntlich viel einschlägige Literatur und Diskussionen auf Internetforen. Der nächste Schritt sollte darin bestehen, zu überlegen, wie man diese Szenarien kindgerecht beschreiben kann. Danach gilt es, die Prinzipien und Ziele herauszuarbeiten, die mit diesen Szenarien zusammenhängen. Diese sind dann zu pädagogischen Zielen zu definieren.

Ein Beispiel für dieses Vorgehen: 

Ausgangspunkt ist das Szenarium eines Bürgerkriegs. In einem Bürgerkrieg gibt es unterschiedliche Gruppen, die mit Gewalt gegeneinander vorgehen. Die öffentliche Ordnung ist zusammengebrochen. Es kann zu Hungersnöten, Versorgungsengpässen usw. kommen. Doch der wichtigste Punkt ist die erhöhte Gewaltbereitschaft und Gewaltanwendung in der Bevölkerung.

Die kindgerechte Beschreibung könnte wie folgt lauten: Es kann Zeiten geben, in denen es nur noch wenige Freunde gibt und sich die Menschen alle miteinander verstritten haben. Daraus lassen sich pädagogische Ziele ableiten. Kinder sollten verstärkt gefordert und gefördert werden, mit Konflikten umzugehen. Dazu gehören Kompetenzen der Selbstbehauptung, Selbstverteidigung, aber auch der Empathie. Konkret kann man die Kinder für die folgenden Schlüsselqualifikationen bilden:

  • Wachsamkeit
  • Selbstvertrauen
  • Eigeninitiative
  • Entschlusskraft
  • Selbstdisziplin
  • Entschlossenheit
  • Widerstandsfähigkeit
  • Empathie
  • Teamfähigkeit
  • Kritikfähigkeit
  • Wertschätzung
  • Härte
  • Großmut

Diese Kompetenzen sind natürlich auch im Alltag wichtige Grundlagen für die Heranwachsenden. Im nächsten Teil wird erklärt, wie diese Charaktereigenschaften bei Kindern entwickelt werden können. Sie sind die geistige Voraussetzung zur Bewältigung von Krisen.

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