Krisenvorsorgetipp: Essbare Wildkräuter (3) – Köstlichkeiten aus Unkraut

Vogelmiere (Stellaria media)

Sie wächst wie ein grüner, puscheliger Teppich und bezaubert mit kleinen, weißen Sternchenblüten: die Vogelmiere. Man findet sie Äckern, aber auch in Gärten zwischen den Blumen. Beim Unkrautjäten hat man beinahe den Eindruck, es sei gar keine einzelne Pflanze; die feinen Stängel sind alle miteinander verwoben und man kann das Kraut leicht in Büscheln ausreißen. Sollten Sie das kleinblättrige Pflänzchen in Ihrem Garten haben, betrachten Sie doch das Unkrautjäten als Ernte. Denn die Vogelmiere schmeckt roh ganz ähnlich wie Kopfsalat – nur viel aromatischer.

Sie brauchen nichts auszusortieren, die Pflanze kann im Ganzen gegessen werden. Stängel, Blätter, Blüten und Fruchtkügelchen sind wohlschmeckend und proppenvoll mit Vitaminen und Mineralstoffen. Sie enthalten etwa doppelt so viel Calcium, dreimal so viel Kalium sowie Magnesium und siebenmal mehr Eisen als Kopfsalat. Zusätzlich liefern sie Kieselsäure und Gammalinolensäure und obendrein die Vitamine A, der B-Gruppe und C. Ganz besonders wertvoll ist das in der Vogelmiere enthaltene Selen. Die meisten Nahrungsmittel enthalten heute viel zu wenig davon. Nach wissenschaftlichen Erkenntnissen ist ein ausreichender Selenspiegel eine gute zusätzliche Vorbeugung gegen Krebs.

Das zarte Blümchen wirkt im Übrigen heilungsfördernd bei Asthma und Lungenerkrankungen und darüber hinaus bei Gelenkentzündungen und Rheumatismus.

Erntezeit ist von März bis Oktober. Also dann: Halten Sie Ausschau nach der Vogelmiere!

Vogelmieren-Pesto

Ein sehr leicht nachzumachendes Rezept. Das Ergebnis schmeckt hervorragend zu Nudeln.

Pro 100 Gramm Vogelmiere brauchen Sie:

2 Esslöffel frische Pinienkerne und 4 Esslöffel Haselnuss- oder Walnussöl.

Zum Würzen nehmen Sie Salz, Pfeffer und 1 kleine Zehe Knoblauch.

Verwenden Sie für dieses Rezept möglichst einen großen Mörser. Man kann das Ganze aber auch in einem Mixer machen.

Zuerst waschen Sie die Vogelmiere in kaltem Wasser, legen Sie sie auf ein Küchenhandtuch und tupfen die Pflänzchen trocken.

Die Knoblauchzehe kleinschneiden.

Dann rösten Sie die Pinienkerne in einer Pfanne (ohne Fett) an. Nicht schwarz werden lassen und immer wieder rühren!

Zerstoßen Sie die gerösteten Pinienkerne ganz fein in dem Mörser. Dann geben Sie in kleinen Portionen die Vogelmiere abwechselnd mit dem Nussöl und der Knoblauchzehe dazu. Zerreiben Sie dabei ständig alle Zutaten zu einer Paste. Am Schluss schmecken Sie das Pesto mit Pfeffer und Salz ab.

Das schmeckt ganz hervorragend zu Nudeln aller Art, aber auch zu Salzkartoffeln.

Indisches Springkraut (Impatiens glandulifera)

Nicht jeder kennt diese Pflanze, aber wer sie gesehen hat, ist sicher darauf aufmerksam geworden. Sie kann bis zu zweieinhalb Meter groß werden und beeindruckt mit großen, rosafarbenen Blüten. Man findet sie besonders in feuchten Straßengräben und an Bachläufen. Da diese Pflanze aber sehr genügsam ist, kann sie eigentlich fast überall gedeihen. Es gibt sie noch nicht allzu lange hier in Deutschland. Die ersten Pflanzen kamen noch zu Kaiserzeit aus dem Himalayagebiet nach Deutschland. Den „Sprung über den Gartenzaun“ schafften sie möglicherweise durch ihre besondere Art, die Samen zu verteilen: Das Springkraut schleudert seine nussartigen Samen bis zu sieben Meter weit. Daher rührt auch der Name.

Um diese Samen geht es auch in erster Linie bei der Pflanze. Man kann die kleinen, runden Kügelchen roh essen. Sie sind sogar überraschend wohlschmeckend. Dabei kann man sowohl die jungen, noch weißen Samen als auch die ausgereiften schwarzen verwenden. Die Springkraut-Nüsschen lassen sich hervorragend als Nussersatz in Würzpasten, bei Aufläufen, für Bratlinge oder in Brot und Kuchen verwenden. Im Notfall kann man auch ein recht gut schmeckendes Speiseöl daraus pressen.

Verwenden Sie die Samen doch einmal anstatt der Pinienkerne in dem Pesto-Rezept für Vogelmiere!

Die Samen reifen zwischen September und Oktober. Schauen Sie sich also ein wenig um. Sie werden die auffällige Pflanze leicht erkennen und können dann beizeiten die Nüsschen ernten.

Die Blüten des indischen Springkrauts sind ebenfalls essbar und zeichnen sich durch einen feinen, süßen Geschmack aus. Zerkleinern Sie eine Handvoll Blüten mit Zucker zusammen mit dem Wiegemesser und streuen Sie die rosaroten Häcksel über Joghurt oder Vanillepudding. Das ist ein hübscher Anblick und schmeckt duftig und fein.

Die Blätter sind gekocht zwar ebenfalls essbar, schmecken aber nicht besonders gut.

Sauerampfer (Rumex acetosa)

Erinnern Sie sich noch an Heinz Erhardts Gedicht:

„Am Bahndamm steht ein Sauerampfer,
sieht immer Bahn und niemals Dampfer.
Der arme, arme Sauerampfer!“

Er ist wirklich ein recht schmuckloses Gewächs und ist fast überall zu finden. Dabei hat das Kraut eine stolze Geschichte. Es hat nicht nur Bahn gesehen, sondern die Pyramiden, denn es war bereits bei den alten Ägyptern ein beliebtes Gewürz. Seine Blätter können die Form von Pfeilspitzen haben oder auch einfach nur oval geformt sein. Je jünger und zarter die Blätter sind, umso feiner ihr Geschmack. Der Sauerampfer ist erstaunlicherweise eiweißhaltig. Er versorgt uns sogar mit Carotin, Eisen und Vitamin A. Außerdem rührt sein saurer Geschmack genau wie der des Rhabarbers von der Oxalsäure her. Dieser Stoff ist ganz leicht giftig. Genau wie bei Rhabarber können größere Verzehrmengen über Monate hinweg zu einer Schädigung der Nieren führen. Durch Erhitzen wird die Oxalsäure jedoch zerstört.

Andererseits stärkt Sauerampfer das Immunsystem. Und er schmeckt ganz fantastisch zu Fisch!

Sauerampfer-Sauce

Seine leichte, zarte Säure ist noch schmackhafter als die Zugabe von Zitronensaft. Hier eine Sauerampfersauce, die besonders gut zu Lachs, aber auch zu jedem anderen Fischfilet schmeckt.

 

60 Gramm Butter in einem Pfännchen schmelzen lassen, bis sie flüssig ist.

50 Gramm Sauerampfer waschen, trockentupfen und zusammen mit ein paar Petersilienblättchen in einen Mixer geben.

In diese grüne Paste geben Sie ein kleines Ei, zwei große Esslöffel weißen Joghurt und eine Teelöffelspitze voll Gemüsebrühe. Mixen Sie alles zu einem feinen Brei.

Während des Mixens lassen Sie die flüssige Butter hineinlaufen und schmecken die Sauce mit Salz und Pfeffer ab. Geben Sie ein bisschen Chilipfeffer und je nach Geschmack etwas Knoblauch und Zitronensaft dazu. Erwärmen Sie die Masse noch einmal in dem Butterpfännchen, aber bringen Sie sie nicht zum Kochen, das beeinträchtigt den Geschmack. Lassen Sie die Sauce warm stehen und bereiten Sie das Fischfilet zu. Geben Sie am Schluss die Sauerampfersauce über die angerichteten Fischfilets und servieren Sie das Ganze mit Salzkartoffeln und einem Wildkräutersalat.

Guten Appetit!