Krisenvorsorgetipp: Jetzt Gemüsepflänzchen ziehen (1)

Auch wenn es noch recht kalt ist und der Frühling auf sich warten lässt, kann man bereits jetzt im Haus viele Gemüsepflänzchen vorziehen. Das schafft den Pflanzen einen wichtigen Vorsprung, sie können kräftiger und größer wachsen und die Ernte wird reichlicher.

Allerdings gibt es ein paar wichtige Punkte zu beachten, um die Mühe und den Aufwand auch nicht umsonst geleistet zu haben.

Die Anzucht auf der Fensterbank ist nämlich nicht gleichbedeutend mit einem Gewächshaus oder Wintergarten. Leider ist das Tageslicht durch ein Fenster auf die Fensterbank in den ersten zwei Monaten des Jahres kaum ausreichend. Wer hier zu früh beginnt, zieht meist ganz helle, weiche und lange Sämlinge heran, die dann später kaum dem Klima draußen im Garten gewachsen sind. Sie werden krankheitsanfällig.

Natürlich kann man mit Kunstlicht nachhelfen. Das Licht normaler Glühbirnen nützt allerdings nichts und Energiesparlampen sind nach Erfahrungen von Hobbygärtnern sogar schädlich. Es gibt spezielle Wachstumslampen, die das Sonnenlichtspektrum fast genau  herstellen können, darunter auch LED-Leuchten und Neonröhren. Wer möchte, kann das natürlich machen. Man muss dabei allerdings die natürliche Sonnenscheinlänge beachten. Pflanzen registrieren die Dauer der täglichen Beleuchtung sehr genau und haben ihren Rhythmus. Den gilt es unbedingt einzuhalten, also nur tagsüber mit Kunstlicht aushelfen.

Mit solchen Mitteln lernt man allerdings nicht, unter den Bedingungen einer Krise seine Selbstversorgung mit Gemüse und Kräutern sicher zu stellen. Es ist nämlich in solchen Zeiten nicht wahrscheinlich, dass es eine zuverlässige Stromversorgung gibt.

Mit hinter den Pflänzchen aufgestellten Brettern oder Pappdeckeln, die mit Alufolie umhüllt sind, oder Spiegeln kann man die Lichtausbeute auf einer Fensterbank aber fast verdoppeln. Damit erzielt man schon sehr gute Ergebnisse.

Weiterhin ist es wichtig, auf die Keimtemperatur des Saatgutes zu achten. Manche Samenkörner sind da ganz schön anspruchsvoll. Gurken und Paprika benötigen zum Beispiel ungefähr 25 °C Raumtemperatur. Das erreicht man hinter der kalten Glasscheibe im März auf der Fensterbank kaum.

Wer einen Heizkörper unter dem Fenster hat, kann die Anzuchtbehälter so darüber platzieren, dass die richtige Temperatur erreicht wird.

Aber auch hier gilt: Das funktioniert nur, wenn die Zentralheizung auch läuft.

Die meisten Gemüsearten brauchen eine Keimtemperatur von über 14-16 °C.

Als Anzuchtbehälter kann man die verschiedensten Möglichkeiten benutzen. Manche stellen Joghurtbecher oder Blumentöpfchen auf, in denen sie die Samen zum Keimen bringen. Man muss allerdings darauf achten, dass überflüssiges Wasser unten aus den Behältern abfließen kann. Staunässe ist tödlich für die Pflänzchen. Bei Joghurtbechern müssen also Löcher in den Boden geschnitten werden. Praktischerweise stellt man die Töpfchen in eine flache Wanne, so dass das Stauwasser abgegossen werden kann. Bewährt hat sich, gar nicht auf die Erde der Anzuchttöpfchen zu gießen, sondern gleich eine dünne Schicht in die Wanne. Nach einer Zeit sieht man nach, ob alles aufgesogen wurde. Fühlt sich die Erdoberfläche in den Töpfchen nach einer Stunde etwa immer noch zu trocken an, gibt man noch etwas Wasser unten nach.

Diese Methode verhindert am zuverlässigsten Austrocknen oder Überwässerung. So lange die Erdoberfläche weich und leicht feucht ist, aber kein Wasser auf dem Wannenboden steht, ist es ideal.

Praktisch sind hier auch die langgestreckten Balkonkästen. Sie haben meistens ein eingesetztes Bodensieb, das zu viel Wasser durchlaufen lässt und somit Staunässe vermeidet. Der Wasserstandsanzeiger in einer Ecke signalisiert, wann das Wasser unterhalb des Siebes aufgebraucht ist und die „Wasserbrücken“ nach oben zur Erde keine Feuchtigkeit mehr transportieren können. Dann muss nachgegossen werden.

Mini-Gewächshäuser sind natürlich ideal. Sie haben noch eine durchsichtige Plastik- oder Glashaube, die auf die Bodenwanne aufgesetzt wird. Dadurch wird die Luftfeuchtigkeit innerhalb des Anzuchthäuschens hoch gehalten, ein ideales Klima für die Sämlinge. Auch diese Minigewächshäuser müssen sehr hell stehen.

Wer sich bei uns Pilzkulturen (Champignons und Austernpilze) gekauft hat, der besitzt damit bereits sehr hochwertige Fensterbank-Gewächshäuser. Sie haben sogar Lüftungsschlitze in der Abdeckhaube, die mittels eines Schiebers geöffnet und geschlossen werden können.

Sobald die Jungpflanzen eingewurzelt sind sollte man die Abdeckhauben erst mittags stundenweise, dann ganz entfernen, um einen ersten Schritt zur Abhärtung der kleinen Pflanzen zu tun.

Die Abhärtung der Jungpflänzchen ist ebenso wichtig, wie die Anzucht selbst. Wer die mühsam und liebevoll herangepäppelten Pflanzenkinder von heute auf morgen in den Garten eingräbt, darf sich nicht wundern, wenn sie das nicht überleben.

An warmen Tagen stellt man die Wanne mit den Jungpflanzen für die wenigen, warmen Stunden an einen hellen Platz ins Freie, aber nicht in die pralle Sonne, sonst bekommen sie einen Sonnenbrand. Doch, das gibt es!

Ein Tipp: Damit die Erde in den Töpfchen nicht auf dem noch kalten Boden zu sehr abkühlt, sollte man die Wanne auf eine isolierende Unterlage stellen. Dazu eignen sich Styroporplatten oder ein dickes Holzbrett.

Nachts werden die Gemüsekindergärten wieder hereingeholt. Erst, wenn die letzten Nachtfröste sicher vorbei sind, kann man die Pflänzchen ganz ins wilde Gartenleben entlassen.

Wer so ein Minigewächshaus hat, kann die Abhärtung der Jungpflanzen noch feiner steuern. Die ersten Ausflüge über Tag ins Freie werden noch mit Abdeckhaube unternommen. Dann ohne. Mit der steigenden Außentemperatur und wenn die Gefahr der Nachtfröste vorbei ist, lässt man dann die Pflänzchen mit geschlossener Haube auch nachts draußen. Später dann ohne Haube.

Auf keinen Fall sollte man die Zöglinge draußen einpflanzen, wenn die Temperaturen nachts noch unter Null Grad fallen. Dann war alle Mühe umsonst: die Pflänzchen liegen tot und wie gekocht auf dem Boden.

Nächste Woche erfahren Sie, welche Erde zur Aussaat geeignet ist, was man über Saatgut wissen muss und die wichtigsten Tipps, wie man Keimlinge pikiert, die Aussaattermine im Haus und welche Gemüsepflanzen man besser gleich ins Freiland sät.