Krisenvorsorgetipp: Was tun, wenn der eigene Partner keine Krise sehen will?

Krisenvorsorge ist aus Sicht dessen, der die Krise kommen sieht, kein bizarres Hobby, sonder DIE Lebensversicherung. Aus der Sicht eines Partners, der keine Krise sehen will, ist es ein tägliches Ärgernis und vor dem sozialen Umfeld beschämend. Sätze wie „Nun hör doch endlich mal mit deiner Panikmache auf! Unsere Verwandten/Nachbarn/Freunde lachen doch schon über uns. Du weißt gar nicht, wie peinlich deine Schauergeschichten sind!“ sind ein schweres Problem für eine Ehe oder Partnerschaft.“

Jede Konservendose, die nicht unbedingt gebraucht wird, führt zu Diskussionen über ablaufende Mindesthaltbarkeitsdaten. Der Partner, der sich dagegen sperrt, sieht das gute Geld zum Fenster hinausgeworfen für unsinnige Vorräte oder nutzlose Wasseraufbereiter etc. Oder er/sie sieht nicht ein, auf „Lebensqualität“ zu verzichten, und anstatt einen schicken Urlaub zu genießen, Getreidemühlen, Weizenvorräte und anderen „Schwachsinn“ anzuschaffen.

Was also können Sie tun?

  1. Das Allerwichtigste: Werden Sie nicht emotional! Je aufgeregter, verletzter oder besorgter Sie sich zeigen, desto mehr erlebt Sie Ihr Partner oder Angehöriger aus seiner Sicht als „durchgeknallt“ und „panisch“. Sie wirken nicht klug und kompetent, wenn Sie aufgeregt, wütend oder verzweifelt sind.
  2. Machen Sie sich klar, dass nach vielen Diskussionen die Standpunkte verhärtet sind. Der andere lässt Ihre Argumente gar nicht mehr an sich heran. Wahrscheinlich hat er sie auch schon hundertmal gehört, und will nicht zuhören. Diese Konfrontation müssen Sie erst entschärfen.
  3. Warten Sie auf einen guten Zeitpunkt. Vermeiden Sie die ständigen Reibereien einmal für eine ganze Weile. Dann warten Sie einen Moment ab, in dem Ihr Partner offen zu sein scheint. Sie selbst müssen ruhig und in friedlicher Stimmung sein. Dann beginnen Sie ein Gespräch.
  4. Fangen Sie das Gespräch nicht damit an, dass Sie ihrem Gegenüber jetzt umfassend erklären, dass es eine Krise geben wird, und er/sie das doch endlich einmal einsehen soll. Das führt zur Blockade. Sprechen Sie darüber, wie wichtig Ihnen die Beziehung ist. Dass Sie sehr bedauern, dass Ihre Partnerschaft leidet.  Machen Sie in ruhigen, einfühlsamen Worten klar, dass Sie nur aus Liebe und Sorge handeln. Dass Sie den großen und wichtigen Wunsch haben, einmal in Ruhe über das Thema sprechen zu können und ausreden dürfen, ohne dass es gleich wieder Streit gibt. Fragen Sie, wann der/die andere zu so einem „Grundsatzgespräch“ bereit ist.
  5. Wenn Sie ein solches Gespräch dann führen, gehen Sie NICHT nach dem Motto vor: „Ich weiß, dass die Lage so und so ist. Und du musst das auch so sehen!“. Bombardieren Sie den anderen nicht mit einem Crash-Kurs, Fakten, Zahlen und Prognosen wie schlimm alles ist. Das wollte der ja schon die ganze Zeit nicht wissen.
  6. Ermuntern Sie Ihr Gegenüber, gemeinsam mit Ihnen in der kommenden Zeit alles auszuwerten, was Sie gemeinsam erfahren, lesen, recherchieren. Stellen Sie Fragen, wie der andere diese oder jene Meldung versteht und verarbeitet. Hören Sie sich geduldig und freundlich – nicht besserwisserisch! – die Gedanken an. Und hinterfragen Sie das. Drucken Sie geeignete Artikel und Meldungen aus. Schneiden Sie gute Zeitungsberichte aus. Denken Sie gemeinsam über Zahlen und Fakten nach.
  7. Lassen Sie Ihrem Partner Zeit! Sein eigenes Weltbild zu ändern ist keine Kleinigkeit. Jeder hat seine eigene Geschwindigkeit, die Dinge zu verarbeiten. Lassen Sie die Informationen sacken. Der Samen der Erkenntnis braucht, um zu keimen! Wenn Sie merken, dass der andere anfängt nachzudenken, lassen Sie ihn in Ruhe. Begehen Sie nicht den Fehler, sofort mit starkem Geschütz nachzulegen, dann zieht er sich sofort wieder in sein Schneckenhaus zurück.
  8. Bedenken Sie, dass es auch harter Stoff ist. Wenn man anfängt zu begreifen, was da auf uns zu kommt, bekommt man es schon auch mit der Angst zu tun. Es ist einfacher, weg zu schauen und Augen vor so einer Bedrohung zu verschließen.
  9. Bitten Sie ihren Partner, mit Ihnen auf ein paar gute Vortragsveranstaltungen oder Seminare zu gehen. In einem Saal voller Leute, die alle nicht aussehen, wie aus dem Irrenhaus entsprungen und guten, fundierten Vorträgen, sind Sie auf einmal kein isolierter Spinner mehr. Machen Sie sich klar, dass Ihr Partner/in auch sehr unter dem Einfluss seines Umfeldes steht. Wenn sich dieses über „Krisenvorsorger“ totlacht oder schlecht über Sie redet, ist das für Ihren Partner/in sehr schmerzlich. Er/sie schämt sich vielleicht dann für Sie. In einem ganzen Saal von Leuten, die die Zeichen der Zeit erkannt haben, und Sie dort informiert mitreden können, stehen Sie plötzlich ganz anders da und gewinnen in den Augen Ihres Partners Kompetenz.
  10. Malen Sie nicht nur schwarz! Zeigen Sie auf, dass ein selbstbestimmtes Leben mit teilweiser/völliger Autarkie sehr reizvoll sein kann. Zeigen Sie dem anderen Freude an Lösungen. Selbstversorgung kann durchaus Spaß machen. Gärtnern oder selber Dinge herstellen, Neues lernen, Kleidung entwerfen, Geräte reparieren, eine autarke Stromversorgung angehen, ein Bienenvolk im Garten ansiedeln … was auch immer dem anderen Spaß machen würde und nützlich ist – bauen Sie es zum Hobby aus. Mit Freude dran!
  11. Knüpfen Sie Kontakte zu anderen Vorsorgern, die zu Ihnen passen, und positiv eingestellt sind. Wenn Ihr Partner sieht, dass diese Leute viel wacher und aufmerksamer durchs Leben gehen, Lösungen finden, tiefer nachdenken, patente Menschen mit Herz und Hirn sind, wird er/sie schon selber merken, dass darin viel mehr Substanz liegt, als bei denen, die blind und voreingenommen jeden gleich für verrückt erklären, der einen anderen Blick auf die Dinge hat.
  12. Sollten Sie trotz Geduld, Bemühung, Informationen und Gespräche bei Ihm/ihr nur auf Granit beißen, dann bleibt nur gegenseitige Toleranz, wenn die Beziehung nicht zerbrechen soll. Vereinbaren Sie, das Thema auszuklammern. Sie dürfen Krisenvorsorge betreiben und lassen Ihren Partner/in damit in Ruhe. Er/sie lässt Ihnen freie Hand das zu tun und macht sich nicht über Sie lustig und auch keine Vorwürfe. Treffen Sie Ihre Vorbereitungen ohne darüber zu diskutieren, lassen Sie aber auch Sätze weg wie „Eines Tages wirst Du mir noch dankbar dafür sein“.

Geht auch das nicht, werden Sie sich wohl entscheiden müssen, ob Sie Ihrem Partner zuliebe auf Vorsorge und Informationen verzichten wollen, was in letzter Konsequenz heißen kann, mit fest geschlossenen Augen zusammen unvorbereitet in die Krise zu rutschen – oder sich darüber klar zu werden, dass Ihre Partnerschaft möglicherweise daran zerbrechen kann, dass Ihre Lebensauffassung und Weltwahrnehmung nicht zusammen passt.