Krisenvorsorgetipp: Wie sollte man mit seinen Ersparnissen verfahren?

Wer frei verfügbare Ersparnisse auf einem Konto halten will, der sollte wenigstens darauf achten, dass die Rendite nicht (zu weit) unterhalb der offiziellen Inflationsrate liegt. Seit der radikalen Leitzins-Senkung durch die EZB auf den historisch niedrigen Zinssatz von derzeit sage und schreibe 0,05% liegt der Durchschnitts-Zinssatz auf Spareinlagen mittlerweile bei deutlich unter 1%. Das ist die Hälfte der – sowieso schon geschönten – Inflationsrate.

Die jämmerlich niedrigen Zinsen auf den Sparkonten richten sich aber gar nicht wirklich nach dem Leitsatz der EZB, sondern am sogenannten „Euribor“ (Euro Interbank Offered Rate), von dem kaum ein Mensch wusste, bevor er im Zuge der 2012 aufgedeckten Manipulation des Libor zu kurzzeitiger Berühmtheit gelangte. Der Euribor ist der Leitindex für die Spar- und Kreditzinsen im Euroraum und wird monatlich durch eine Umfrage bei den Banken ermittelt. Dabei geht man offiziell davon aus, dass das freie Spiel des Marktes und der verschiedenen Zinsangebote an die Sparer und Kreditnehmer einen reellen und marktgerechten Richtwert bietet. In Wirklichkeit wird der Euribor wahrscheinlich genauso massiv durch Absprachen manipuliert, wie der Libor, ein anderer, wichtiger Zinsindex. Die EZB-Leitzinssenkung dient offenbar nur als Vorwand, um noch billiger an das Geld der Bürger zu kommen. Allerdings sind einige Banken aus dem in Verdacht geratenen Euribor ausgestiegen, als sie teure Klagen wegen Manipulation fürchteten.

Tagesgeldkonten

Ein klein wenig lohnender sieht es bei Tagesgeldkonten aus, auch wenn es hier mit den Zinsen kaum weniger steil abwärts geht als anderswo. Waren vor zwei Jahren noch bis zu 1,65% realisierbar, so liegt heute (Mitte 2015) bei seriösen Angeboten das Ende der Fahnenstange schon bei 1,10%.

Das Tagesgeld ist eine Anlageform, die Ihnen tägliche Verfügbarkeit gewährleistet. Anders als bei Festgeld, Sparplänen, Bausparverträgen oder Lebensversicherungen besteht eine ständige Verfügbarkeit, was in unsicheren Zeiten wie heute sehr wichtig ist. Gleichzeitig werden hier noch halbwegs akzeptable Zinsen geboten.

Allerdings: Man kann nicht direkt auf das Tagesgeldkonto zugreifen. Wer Geld davon abheben will, muss es von dort erst auf ein so genanntes „Referenzkonto“, nämlich das Konto auf der eigenen Hausbank überweisen. Von dort wird es ausgezahlt. Dieser Transfer dauert im Schnitt drei Tage und im Normalfall ist das kein Problem. In Krisenzeiten allerdings, wo es schnell gehen muss, dauert das unter Umständen zu lange.

Die Frage, ob das Geld auf diesen Konten bis 100.000 € wirklich sicher ist, kann man nicht mehr mit einem überzeugten „Ja!“ beantworten. Aus der Merkelschen garantierten Spareinlage wurde eine „geschützte“. Das ist eine wesentlich schwächere Formulierung. Mittlerweile werden maßgebliche Politiker in den Medien fast nur noch in der Weise zitiert, dass man sich „bemühen“ werde, Spareinlagen bis zu 100.000 € zu schützen. Zuverlässige Garantien hören sich anders an.

Trotz dieser Einschränkungen lohnt es sich, einen Vergleich über solche Tagesgeldkonten anzustellen.

Fremdwährungen

Für den Fall eines Eurocrashs besteht eine Möglichkeit darin, Fremdwährungen in bar daheim vorzuhalten. Wird der Euro komplett abgeschafft, oder in einem bestimmten Verhältnis umgestellt, wie zum Beispiel 100 Euro zu 10 Nordeuro oder einer anderen neuen Währung (Währungsreform bei entsprechendem Kaufkraftverlust), bleibt die Kaufkraft der Fremdwährung nicht nur in vollem Umfang erhalten, sondern kann sich noch drastisch erhöhen, weil das neue „Notgeld“ mit Sicherheit wenig Vertrauen genießt.

Empfehlenswert sind hier Schweizer Franken, Norwegische Kronen oder Australische Dollar. US-Dollar und Japanische Yen kommen nicht infrage, da nicht absehbar ist welche Währung im Krisenfall zuerst in den Keller rauscht.

Ein Fremdwährungskonto kann man in Deutschland recht unkompliziert und günstig einrichten. Es ist dem Tagesgeldkonto nicht unähnlich. Gedacht ist so ein Fremdwährungskonto ursprünglich für Unternehmen, die international tätig sind und Zahlungsverkehr in ausländischen Währungen durchführen. Doch auch Privatanleger interessieren sich seit einiger Zeit zunehmend für diese Anlageform. Viele beginnen zu begreifen, dass die Tage des Euro eigentlich schon gezählt sind, und die Wirkung der lebensverlängernden Finanz-Intensiv-Medizin jederzeit vorbei sein kann.

In Deutschland sind die drei größten Anbieter für Fremdwährungskonten die „.comdirect“, Cortal Consors und die DAB-Bank. Alle drei bieten eine kostenlose Kontoführung an. Ebenfalls möglich sind Konten bei der ViTrade, Commerzbank, Hypo-Vereinsbank und der guten, alten Postbank. Die „.comdirect“ bietet einen Korb von elf verschiedenen Währungen an, Cortal Consors immerhin noch sieben.

Mit einem Bestand an stabilen Fremdwährungen – bar zu Hause oder auf Fremdwährungskonten – nimmt die Abhängigkeit vom Euro ab. Nicht ohne Grund flüchten immer mehr Anleger in Devisenkonten, die in Schweizer Franken geführt werden. Letztendlich besteht hier aber auch, wie überall ein gewisses Spekulationsrisiko. Währungsbewegungen gegeneinander lassen sich nicht genau vorhersagen. Wer seinen täglichen Zahlungsverkehr darüber laufen lassen will, muss mit einmal nachteiligen, einmal günstigen Währungsschwankungen zurechtkommen können. Außerdem fallen beim Umwechseln von Euro in die Fremdwährung und zurück stets Gebühren an. Als Sicherheitspolster ist ein Fremdwährungskonto jedoch durchaus empfehlenswert.

Über die Konditionen solcher Konten kann man sich ebenfalls im Internet informieren.

Darüber, wie viel Sicherheit die Fremdwährungen letztendlich bieten, lässt sich vortrefflich streiten. Bricht das globale Finanzsystem zusammen, bleiben weder der grundsolide Schweizer Franken noch die Norwegische Krone oder irgendeine andere Währung außer vielleicht den Kauri-Muscheln intakt.

Nein, das stimmt nicht ganz. In Malaysia, Indonesien und Singapur sind der Gold-Dinar und der Silber-Dirham als gesetzliche Währung im Umlauf. Dieses echte Geld wird genauso unbeeindruckt bleiben, wie die Silber- und Gold-Unzen, die meine Leser in ihrem Safe aufbewahren.