Kryptowährungen: Grips schützt vor Risiken (Teil 2)

Im vorigen Newsletter ging es um Vor- und Nachteile sowie die echten und vermeintlichen Risiken bei den „Kryptos“. Wir waren stehengeblieben beim Nachteil der Betrugsgefahren und dem (angeblich) dadurch motivierten, zunehmenden Regulierungs- und Überwachungseifer der Behörden. An dieser Stelle nehmen wir den Faden hier wieder auf – und versuchen dabei wie bisher quasi nebenbei auch alles Wissenswerte zu den technischen Grundlagen möglichst anschaulich unterzubringen.

Da einer der bisherigen Artikel nicht zu dieser kleinen Zweier-Reihe hier gehört, folgt zunächst noch einmal kurz die Übersicht, was Sie bisher bei uns zu Kryptowährungen lesen konnten:

Im ersten Artikel haben wir die Kryptowährungen nach einigen Jahren der Skepsis als potentielle krisenfeste Alternative für den künftigen Zahlungsverkehr „wiederentdeckt“. Dazu haben wir Bitcoin u. Co. eher von der strukturellen als der technischen Seite her und vor allem im Vergleich zum herkömmlichen Geld und Geldsystem betrachtet. Im zweiten Artikel geht es wie erwähnt um potentielle Nachteile und Risiken, die wir um unsere Sichtweise ergänzt haben. Damit machen wir nun weiter – und zwar mit dem nach Ansicht des Handelsblatts zweiten Hauptnachteil der Kryptos:

„Nachteil 2: Absolute Sicherheit gibt es nicht, wie die Angreifbarkeit digitaler Währungen zeigt. So gab es in der Vergangenheit zahlreiche Hackerangriffe auf große Krypto-Tauschbörsen wie MtGox oder BitFinex, bei denen Nutzer Geld verloren haben. (…) Auf unbedarfte Benutzer, auf die die eingeschworene Bitcoin-Gemeinschaft eher abschätzig herabblickt, lauert eine weitere Gefahr: Digitalwährungen, die sich zwar begrifflich an die Bitcoin-Währung anlehnen, hinter denen aber ein betrügerisches System steckt. Der bekannteste Fall ist der der sogenannten Onecoins. Onecoins waren nur über eine zentrale Plattform zu erwerben und auf zentralen Servern gespeichert, Nutzer somit voll dem Betreiber ausgeliefert – für die Bitcoin-Gemeinde, die sich in Online-Foren wie Reddit austauscht, klare Anzeichen für ein Betrugssystem. Inzwischen ermitteln die Behörden.“

Kommentar: Es wird zurecht erwähnt, dass diese Nachteile vor allem „unbedarfte“, um nicht zu sagen naive Nutzer tangieren. Es wird bei den vielen „Hacker“-Angriffsmeldungen auch nur selten erwähnt, dass die Opfer bisweilen auf einfachste Phishing-Manöver hereinfallen und – wie jüngst bei einem groß angelegten Diebstahl in Südkorea – ihre Kontonummern irgendwelchen Anrufern am Telefon verraten. Dazu kann man eigentlich nur sagen, dass solche „Anleger“ vermutlich auch außerhalb der Krypto-Welt öfter Schiffbruch erleiden dürften …

Damit kommen wir zu der schon erwähnten Gefahr, dass Regierungen und Banken dem Krypto-Treiben nicht mehr lange zuschauen und es mit der schönen Freizügigkeit dort bald vorbei sein könnte:

„Viele erwarten jedoch, dass die SEC (die US-amerikanische Börsenaufsicht Securities and Exchange Commission) schon bald einschreiten wird und digitale Coins zu Wertpapieren erklären wird. Die damit einhergehenden Richtlinien könnten die „Flitterwochen“ abrupt beenden, denn Ethereum und Co. wären u. a. verpflichtet, Geldquellen sowie Anleger zu prüfen. Das wiederum könnte künftig auch Klagen zur Folge haben.“

Und die Obrigkeit hätte sich einer lästigen Währungskonkurrenz entledigt – bzw. in offizieller Lesart: die Verbraucher vor den schlimmsten Tücken einer halbseidenen digitalen Spielhölle bewahrt. Allerdings ist es fraglich, inwieweit den Behörden die Überwachung der Kryto-Nutzer gelingt, da man ein Onlinekonto auch ohne (korrekten) Namen und Adresse einrichten kann (und trotz der Anonymität ein relativ hohes Maß an Sicherheit innerhalb der Blockchain hat – was ja gerade einer der großen Pluspunkte ist).

Sicher, auch die Blockchain hat Klippen, an denen manch einer zerschellt, doch keine davon – ob Gesetzesänderungen, Wertschwankungen oder Betrugsmöglichkeiten – ist nicht auch in anderen Geld- und Anlageformen vorhanden. Außerdem sind die meisten Klippen ganz einfach dadurch umschiffbar, dass man sich vor dem ersten Kauf erst einmal eine Weile informiert (ein Beispiel unter diversen Newsfeeds zum Thema: https://www.btcgermany.de/feed). Danach kann man sich auf einer Plattform wie z.B. Bitcoin.de oder Coinbase.com (mehrere Währungen) anmelden, mit einem Kleinstbetrag in einer oder mehreren Währungen starten und sich die Entwicklung ein paar Wochen oder besser Monate anschauen. Einen Überblick über Bitcoin-Börsen, wo man Bitcoins für die eigene, „Wallet“ genannte Onlinebrieftasche kaufen kann, gibt es hier: https://bitcoin.org/en/exchanges

„Absolute Sicherheit“ bieten die Kryptowährungen ganz sicher nicht – da hat das Handelsblatt natürlich völlig recht. Aber wo hat es bitteschön je eine Währung gegeben, die das geboten hätte? Ein Goldbarren in einem gut versteckten Tresor kommt dem vielleicht nahe. Aber bei einem im Alltag nutzbaren und jederzeit liquidierbaren Geld ist es illusorisch, eine hundertprozentige Sicherheit zu erwarten. Das ist aber kein Fehler der neuen Technik oder des neuen Geldes. Denn es gibt grundsätzlich kein „wirklich sicheres“ technisches System, aus dem man die größten Gefahren – Gier und kriminelle Energie – langfristig und komplett heraushalten kann. Denn „wo ein Wille ist, ist auch ein Weg“. Solange die kriminellen Absichten unter den Menschen sind, werden sie sich ihren Weg in jedes noch so ausgefeilte System bahnen. Wer glaubt, Kriminalität ließe sich auf irgendeinem technischen Weg „abschaffen“, der glaubt auch, dass Waffenverbote die Menschen daran hindern, sich gegenseitig umzubringen.

Mit diesen beiden Artikeln haben wir das Thema Chancen und Risiken der „Kryptos“ einmal kurz angeschnitten und grob skizziert. Damit ist die Sache natürlich bei weitem noch nicht ausgelotet und längst nicht alles wichtige gesagt. Deshalb werden wir hier weiter dranbleiben, ebenso wie wir uns noch ausführlicher mit den technischen Grundlagen und Details befassen werden.

 Bitcoin, Blockchain und Kryptoassets Berentsen

Lesetipp zum Thema: Bitcoin, Blockchain und Kryptoassets: eine umfassende Einführung, von Alexander Berentsen

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