Kryptowährungen – Grips schützt vor Risiken

Man sollte die Kryptowährungen weder als ultimative Lösung preisen, noch als gefährlichen Hype verdammen. Die Wahrheit liegt wie meist irgendwo dazwischen: so stimmt es schon, dass sie viele Chancen eröffnen und ebenso ist es, dass ihre Onlinebörsen regelmäßig Ziel von Angriffsversuchen werden oder dass die Kurse des „neuen Geldes“ höchst volatil sind. Vor allem die Risiken werden wiederholt betont. Dabei wird jedoch nicht immer erwähnt, dass sie größtenteils recht einfach zu vermeiden sind. Die gröbsten Fallstricke hat man schon allein dadurch umgangen, dass man sich erstens nicht von Kurzfrist-Gier packen lässt und zweitens sorgsam mit den Guthaben und Nutzerdaten umgeht. Was ist sonst noch zu beachten?

Die Blockchain ist das datentechnische Fundament und das wohl wichtigste innovative Element der Kryptowährungen. Spätestens seitdem sie auch andere Bereiche wie die Logistik erobert, kommt man um das Thema kaum noch herum. Wenn Sie den kürzlich von uns empfohlenen Podcast mit Dr. Julian Hosp gehört haben, wissen Sie darüber immerhin schonmal mehr als der durchschnittlich informierte Zeitungs- und Fernsehkonsument. Sie haben dann eine brauchbare Vorstellung über die Entstehung, die Geldmengenkontrolle, die Transaktionen und deren Sicherheit sowie über die tatsächlichen und vermeintlichen Risiken im Kryptowährungssystem.

Vielleicht ist es ja kein Zufall, dass im medialen Mainstream im Zusammenhang mit den „Kryptos“ so viel von Hackern und Datenmissbrauch die Rede ist, während sie für die „Alternativszene“ immer attraktiver werden – unter anderem auch als Ausweichmöglichkeit, falls uns demnächst tatsächlich der Bargeldhahn zugedreht wird. Eigentlich ließen sich Bitcoin u. Co. ja prima in eine bargeldlose Gesellschaft einbauen und sollten sich damit voll mit den Interessen des Staates und des massenmedialen Komplexes decken. Müssten Regierungen, Banken und Konzerne nicht voller Begeisterung auf die neue digitale Geldwelle reagieren? Warum so viel Skepsis und so viel Vorbehalt in den Medien, wo man sich doch sonst so begeistert auf jede Digitalisierung stürzt? Ach so, ja, die Dezentralität und schlechte Kontrollierbarkeit der „Kryptos“ macht sie bei Monopolisten und Zentralplanern aller Art dann vielleicht doch nicht so beliebt.

Aber das ist natürlich nur Spekulation – wenden wir uns den gesicherten Fakten zu. Eine gute kleine Übersicht gab es zuletzt im Handelsblatt, auch wenn dort in erster Linie wieder gewarnt wurde: „Wie China den Bitcoin zerstören könnte“. Im Mittelteil stellt der Artikel aber sehr anschaulich wichtige Vor- und Nachteile der Kryptos gegenüber – wir fassen sie hier kurz kommentiert zusammen:

„Vorteil 1: Durch Bitcoins sollen die Gebühren von Finanztransaktionen radikal absinken (…) Zudem dauert die Transaktion meist nur Minuten, ganz egal wie groß die geografische Distanz zweier Konten zueinander ist.“

Kommentar: Die Transaktionskosten sind sehr gering und die Geschwindigkeit nähert sich Paypal, dem Spitzenreiter im herkömmlichen Geldsystem. Diverse Firmen arbeiten an Verfahren für Krypto-Überweisungen ohne Zeitverzögerung.

„Vorteil 2: Die Digitalwährung wird „peer-to-peer“ gehandelt, also direkt zwischen Nutzern ohne die Hilfe von Banken. Möglich macht dies die Nutzung der Blockchain-Technik: Innerhalb des Systems werden alle Transaktionen vielfach und dezentral (und damit dauerhaft nachvollziehbar) gespeichert. Dies könnte nicht nur Währungstransaktionen ohne Zwischeninstanz ermöglichen, sondern zum Beispiel auch Immobiliengeschäfte – die Rolle des Notars übernimmt dann das Blockchain-System. (…) Bitcoins funktionieren außerdem „permissionless“, können also ohne Erlaubnis durch eine technische Aufsichtsbehörde benutzt werden. Die Internetwährung ist zudem „trustless“: Anleger müssen keiner externen Partei vertrauen, etwa auf die Autorität staatlicher Aufsichtsbehörden oder Zentralbanken, um Bitcoins nutzen zu können.“

Kommentar: Dieser Vorteil ist bislang unschlagbar. Es drohen jedoch womöglich Interventionen von Regierungen und Bankensystem, die dem Konkurrenztreiben wohl nicht mehr allzu lange zuschauen wollen. Ob sie allerdings in der Lage sein werden, steht auf einem anderen Blatt. Dazu später mehr, zunächst wenden wir uns den laut Handelsblatt bestehenden Nachteilen zu:

„Nachteil 1: Hauptproblem für die Nutzer dürfte die starke Volatilität sein: Tatsächlich gab es seit 2014 mehrere markante Einbrüche. (…) Ein weiteres Problem: Bitcoins sehen sich harscher Kritik der Aufsichtsbehörden ausgesetzt. Kritiker monieren, dass die Digitalwährung wegen der schwer nachvollziehbaren Zahlungswege auch für kriminelle Zwecke verwendet werden kann. Die Bundesbank hatte unlängst Sparer vor Geldanlagen in der Digitalwährung gewarnt. Der Bitcoin sei „ein Spekulationsobjekt“, dessen Wert sich rapide verändere, sagte Bundesbank-Vorstandsmitglied Carl-Ludwig Thiele. „Aus unserer Sicht ist der Bitcoin kein geeignetes Medium, um Werte aufzubewahren.“

Kommentar: Dass die Volatiliät nicht wirklich in den Kryptowährungen selbst begründet liegt und dass sie nicht einmal ein wirklicher Fehler des Krypto-Systems ist, haben wir in unserem letzten Newsletter zum Thema kurz erläutert. Die anschließenden Kriminalitätsargumente sind recht diffus und dürften hier kaum stichhaltiger sein als im Falle der Anti-Bargeld-Propaganda. Die „schwer nachvollziehbaren Zahlungswege“ dürften es „den Kriminellen“ sogar eher schwerer als leichter machen. Die Blockchain wurde bewusst so „undurchsichtig“ aufgebaut, damit Manipulationen wenn überhaupt nur mit enormen Aufwand an Rechenleistung möglich sind. Allein die Stromrechnung dürfte viele Kriminelle über das Aufwands-Ertragsverhältnis nachdenken lassen. Aufsichtsbehörden und Bundesbank dürfte vor allem stören, dass sie selbst die Zahlungswege nicht mehr so schön überblicken können.

Die (behauptete) besondere Betrugsanfälligkeit ist also der Hauptvorwand für obrigkeitliche Begehrlichkeiten und Kontrollbestrebungen am System der Kryptowährungen. Das wiederum könnte sich zu einem echten Nachteil auswachsen, sollte den Regierungen und Finanzplatzhirschen eine Übernahme mit entsprechender Zentralisierung gelingen. Wie und ob das gelingt ist allerdings die Frage. Eine hochspannende Frage, die uns die nächste Zeit wohl mehr und mehr beschäftigen wird.

Auf weitere (echte und vermeintliche) Nachteile und über den Zusammenhang zwischen den (echten und vermeintlichen) Betrugsgefahren und dem (angeblich) dadurch motivierten Überwachungseifer der Behörden werden wir im folgenden Newsletter detailliert eingehen.

Bitcoin, Blockchain und Kryptoassets Berentsen

Lesetipp zum Thema: Bitcoin, Blockchain und Kryptoassets: eine umfassende Einführung, von Alexander Berentsen

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