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Finanzen : Die US-Einlagensicherung muss weiter tief in die Tasche greifen
16.03.2010 07:16 (5633 x gelesen)

Die Bankenkrise geht weiter: Die US-Einlagensicherung steht zunehmend unter Druck, weil eine Pleitewelle amerikanischer Banken droht, die gesamten Reserven für die Rettung angeschlagener Institute aufzufressen. Und es scheint noch kein Ende der Pleitenserie in Sicht zu sein: Über 700 weitere Banken werden als gefährdet eingeschätzt. Riesige Kosten drohen, den Rettungsfonds selbst in schwere finanzielle Probleme zu bringen.


Es sind die kleinen und regionalen Banken, die aktuell tiefe Sorgenfalten bei der Einlagensicherungsbehörde FDIC verursachen. Immer größer sind die finanziellen Herausforderungen, denen sich der Rettungsfonds im Zuge der Bankenkrise stellen muss. Die vielen kleinen Banken bereiten vor allem deshalb Sorge, weil sie – anders als die Großbanken, Verluste am Immobilienmarkt nicht mit Einnahmen am Kapitalmarkt wettmachen können.

Mit jeder Rettungstat verliert die FDIC riesige Summen: Am Wochenende musste die FDIC vier Banken auffangen – die Kosten der Pleiten belaufen sich auf 200 Millionen Dollar. Betrachtet man die Zahl der Unternehmen, die allein 2010 pleite gingen, wird klar, welch riesige Summen die Rettung verschlingt: Bereits 30 Banken sind in diesem Jahr pleite gegangen. Seit Beginn der Finanzkrise sind 195 US-Banken insolvent gegangen.

Damit steigen die Kosten für die Einlagensicherung weiterhin dramatisch an. Zudem ist noch kein Ende absehbar, denn es wird noch einige Kreditausfälle geben, welche die FDIC kompensieren muss. „Wir glauben, dass US-Banken erst rund 45 Prozent der Kreditabschreibungen realisiert haben, die zwischen 2008 und 2011 anstehen“, sagte Craig Emrick, Analyst bei der Ratingagentur Moody’s.

Die Befürchtungen der FDIC lauten ganz ähnlich: Auf einer Liste der Probleminstitute finden sich 702 Banken wieder. Pessimistischere Experten schätzen, dass 1000 der gut 8000 US-Institute noch umfallen könnten. Diese Pleitewelle unter Banken zwingt die US-Einlagensicherung zu ungewöhnlichen Schritten, um flüssig zu bleiben. Bisher verkaufte die FDIC die maroden Institute an Konkurrenten und konnte so die Einlagensicherung ausgleichen.

Doch die Pleiten lassen die Banken vorsichtiger werden, Käufer sind kaum noch zu finden. Nun hofft die FDIC, in verschiedenen Pensionsfonds neue Käufer für die Anteile zu finden – anders als Private-Equity-Fonds haben diese ein langfristiges Anlegerinteresse, das verlässliche Strukturen schaffen könnte – so das Kalkül. Zu Recht wird daran kritisiert, dass mit diesem Schritt Pensionsgeld in riskante Anlagen investiert würde, was zu einem großen Verlust führen könnte.

Wie riskant es sein kann, sich in eine angeschlagene Bank einzukaufen, musste auch die US-Regierung bitter erfahren. Trotz günstiger Konditionen kann das investierte Geld schnell futsch sein. Die Rettungsgelder des Tarp-Fonds wurden in Kleinbanken gesteckt, von denen über 60 nicht die ausgemachten Zinsen zahlen konnten. Allein bei der Pleite des Mittelstandsfinanzierers CIT musste der Staat 2,3 Milliarden Dollar Verlust hinnehmen.

Es zeigt sich, dass es dem Retter der US-Ersparnisse mittlerweile vor lauter Einlagensicherung selbst ziemlich schlecht geht. Das nicht enden wollende Bankensterben droht zum riesigen Geldgrab der USA zu werden. Ende vergangenen Jahres, nach mehr als 100 Bankenpleiten, rutschte der Fonds der FDIC ins Minus und wies ein Defizit von 20 Milliarden Dollar aus. Als ersten Rettungsschritt zog die FDIC von den Mitgliedsinstituten 45 Milliarden Dollar ein. Angesichts der noch kommenden Pleitezahlen wird dieses Geld aber bei weitem nicht reichen. Die Bankenrettung verwandelt sich mehr und mehr zum Bumerang für die amerikanische Regierung.

Quelle: handelsblatt.com


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