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 : Stimmen zur Finanzkrise: Marc Faber, Nouriel Roubini und Co.
29.07.2010 06:51 (2265 x gelesen)

Unser Wirtschaftsminister hat schon den Boom ausgerufen – hören Sie besser nicht auf ihn. Unser Finanzsystem ist und bleibt krank, die Staatsschulden wuchern wie ein Krebsgeschwür, der finale Kollaps gilt weiterhin als wahrscheinlich. Der Ausblick auf die Weltkonjunktur wird von vielen Experten als düster bezeichnet – schlimme Jahre werden den Finanzmärkten prophezeit. Lesen Sie hier Stimmen diverser renommierter Ökonomen und Analysten: Unsere Zukunft wird alles andere als rosig werden.


Nouriel Roubini, Professor der New York University, bekannt als „Dr. Doom“, schätzt die Lage folgendermaßen ein: „Die Aussichten der Weltwirtschaft haben sich verdunkelt, die Erholung wird immer wackliger. Ich mache mir Sorgen, dass wir in den nächsten drei Jahren eine Phase der Deflation erleben werden.“

Bernhard Scherer, Finanzprofessor an der Edhec Business School in London: „Die meisten Staaten sind eigentlich jetzt schon pleite, Deutschland wahrscheinlich auch. Inklusive der außerbilanziellen Schulden kommt Deutschland vielleicht auf ein Verhältnis der Schulden zur Wirtschaftsleistung von 400 Prozent, bei anderen Ländern sind es bis zu 800 Prozent. Außerbilanziell heißt, dass beispielsweise auch die Pensionsverpflichtungen des Staates eingerechnet sind, die immer unterschlagen werden.“

Jim Rogers, Querdenker und Rohstoffexperte, sieht ebenfalls die Schulden als Hauptproblem – und rechnet mit einem Desaster: „Es sind zu viele Schulden in der Welt. Der fehlende Konsum in den USA wird mit mehr Verschuldung beantwortet. Aber damit verschieben die Politiker das Problem nur in die Zukunft - und dann sind sie nicht mehr im Amt. Wenn sich die Probleme in den USA weiter verschärfen, haben die Politiker keine Mittel mehr zum Geld ausgeben. Dann werden die internationalen Investoren sagen: Wir werden euch kein Geld mehr geben. Die größten Geldgeber kommen aus Asien: China, Taiwan, Korea, Singapur und so weiter. Das wird in einem Desaster enden."

Marc Faber, Herausgeber des Börsenbriefs Gloom, Boom & Doom: „Langfristig sind auch die USA nicht in der Lage, ihre Staatsschulden zu finanzieren. Der einzige Unterschied: Amerika kann Geld drucken, um den Moment der Wahrheit hinauszuzögern: Griechenland kann das nicht.“

Robert Shiller, Professor an der weltbekannten Universität in Yale, ist davon überzeugt, dass die kommenden Probleme die aktuelle Krise in den Schatten stellen werden: „Es kann noch bedrohlich werden, wenn wir eine wachsende Anzahl von Menschen nicht mehr auf dem Arbeitsmarkt unterbringen. Dann könnten wir in den nächsten ein, zwei Dekaden vor Problemen stehen, welche die aktuelle Krise in den Schatten stellen.“

Hilmar Kopper, ehemaliger Vorstandschef der Deutschen Bank, zieht vor allem gegen die Politik zu Felde: „Was die Lage noch verschlimmert, ist das dümmliche Gerede von Politikern. Die wissen doch gar nicht, was los ist.“ Und abschließend Erskine Bowles, Chef der Budget-Kommission von US-Präsident Obama: „Diese Schulden sind wie ein Krebsgeschwür.“

Das sind die Stimmen, auf die man hören sollte – zwanghafte Berufsoptimisten wie Brüderle sind in diesen Zeiten sicherlich schlechte Ratgeber. Und das Bild, das oben angeführte Experten malen, sollte jeden von uns bedenklich stimmen: Die Krise geht in ihre nächste Runde – ob unser Finanzsystem dies übersteht, wage ich schwer zu bezweifeln. Sorgen Sie vor, solange noch Zeit ist.

Quelle: handelsblatt.com


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