Die Ursachen der Finanzkrise (1)

Substanzloses Geld und der „Schein“ in meiner Hand

Im Prinzip spricht nichts gegen Papiergeld und es ist grundsätzlich eine gute und sinnvolle Idee. Mit dem Papiergeld wäre alles in bester Ordnung, wenn es nicht beliebig vermehrt werden würde und jeder Papierschein einem realen Gegenwert in Form von Diensten und Produkten entsprechen würde. So war es am Anfang auch einmal geplant. Allerdings geben Staaten ebenso wie die meisten Bürger so gut wie immer mehr Geld aus als sie zur Verfügung haben. Die Geschichte lehrt uns, dass die Herrscher deshalb in der Regel folgende Maßnahmen ergreifen: Sie erhöhen die Steuern und Abgaben, sie verschulden sich und/oder sie erhöhen die Geldmenge. Wir sehen heutzutage, dass die ersten beiden Möglichkeiten nahezu ausgeschöpft sind und seit geraumer Zeit verstärkt auf die letzte zurückgegriffen wird.

Was mit unserem Geld nicht stimmt

In den letzten dreißig Jahren haben sich die weltweit hergestellten Produkte und Dienste in etwa vervierfacht, die Geldmenge in diesem Zeitraum jedoch vervierzigfacht (Professor Hamer). Seit dem Ausbruch der Krise haben alle großen Notenbanken – die amerikanische FED, die europäische Notenbank, die Chinesische und die Japanische – die Geldmenge massiv erhöht. Das heißt, es steht der enorm wachsenden Menge an bedruckten Papierscheinen nur eine begrenzte Anzahl an Waren und Dienstleistungen gegenüber. Ein Großteil der Geldscheine ist damit ungedeckt und schlichtweg „wertlos“. Es ist so, als würden in einer Kantine, die vierhundert Mahlzeiten zubereitet, insgesamt viertausend Essensmarken ausgegeben, die ständig an Wert verlieren. Über kurz oder lang würden aus den netten Kollegen erbitterte Feindeim Kampf um die Speisen und die kollegialen Verhaltensregeln würden ad acta gelegt. So wird es in absehbarer Zeit auf der Welt mit dem Geld ebenso geschehen. Über gewisse Zeiträume wird viel von dem überschüssigen Geld von den Märkten und den Menschen „absorbiert“, d.h. die Preise und Werte blähen sich auf (Inflation). Das Leben wird, teurer, die Menschen müssen für ihren Lebenserhalt mehr arbeiten und trotzdem bleibt weniger oder nichts übrig.

Irgendwann beginnen die Menschen an diesem Geld zu zweifeln und wollen es von der Bank abholen. Dann erkennen sie, dass sie ihr Geld entweder nicht bekommen, weil es so viel tatsächlich nicht gibt. Oder sie bekommen ihr Geld und realisieren, dass es dafür kaum noch Waren gibt. Allein den Deutschen wird ein Vermögen von zehn Billionen Euro zugeschrieben, davon etwa ein Drittel in reinen Papiergeldanlagen wie Festgeldern, Sparbüchern, Rentenverträgen, Bundesschatzbriefen usw. Stellen Sie sich vor, sie würden jetzt alle aufgrund alarmierender Nachrichten zu den Banken rennen und ihre Ersparnisse abheben wollen. Sie würden ihr Geld nicht bekommen und der Betrug würde auffliegen. Ein Aufstand wäre die zwangsläufige Folge. Um solche „Bankruns“ zu verhindern, ist die Regierung bereit, enorm viel (Steuer-) Geld für verschiedene Rettungsmaßnahmen aufzuwenden.

So genannte  „Runs“ gibt es übrigens nur bei Banken

Ist Ihnen klar, dass es die Gefahr eines solchen „Runs“ nur bei den Banken gibt? Sie sind die einzigen Firmen, die diesen legalen Betrug mit Billigung der Obrigkeit fortwährend praktizieren dürfen. Keine andere Firma, wie zum Beispiel ein Autohersteller, dürfte mehr Waren, sprich Autos verkaufen, als er produzieren und liefern kann. Solche Unternehmen würden sofort als Betrüger angeklagt werden. Doch mit Geld darf solch ein Hütchenspiel legal getrieben werden. Obwohl es die wichtigste Grundlage unseres Lebens ist, gelten hier offensichtlich völlig andere Regeln. Und der Gesetzgeber drückt großzügig beide Augen zu, wie die nachfolgende Aussage des Autors und Ökonomen Murray Newton Rothbart prägnant belegt:
„Die Bank schafft neues Geld aus der Luft und muss es nicht wie alle anderen durch Produktion und Verkauf ihrer Dienste erwerben. Kurzum die Bank ist bereits jetzt und zu jeder anderen Zeit bankrott. Doch diese Zahlungsunfähigkeit kommt nur zum Vorschein, wenn die Kunden Verdacht schöpfen und einen „Run“ auf die Bank lostreten. Bei keinem anderen Unternehmen lässt sich das Phänomen des „Runs“ beobachten. Kein anderes Unternehmen kann über Nacht in den Ruin getrieben werden, nur weil seine Kundschaft beschließt, ihr Eigentum zurückzufordern. Kein anderes Unternehmen schafft fiktives neues Geld, das sich in nichts verflüchtigt, sobald man es einmal nüchtern beurteilt.“

(Aus dem Büchlein „Das Schein-Geld-System – wie der Staat unser Geld zerstört“). Die Geldschöpfung aus dem Nichts – auch Giralgeld genannt – ist eine der eklatanten Ursachen der jetzigen Krise und müsste rasch abgeschafft werden, wenn die Fahrt in den Abgrund gestoppt werden soll. Denn unser heutiges (Papier)Geld – ohne eigenen inhärenten Wert – funktioniert nur durch Akzeptanz und Vertrauen. Wo Beides zu schwinden droht, hilft der Gesetzgeber mit der Bestimmung des Geldes zum gesetzlichen Zahlungsmittel nach, um dessen Verwendung zu erzwingen. Jedoch wird dieser staatliche Zwang den Markt in nächster Zeit kaum verändern können. So fordern auch seriöse Ökonomen wie Thorsten Polleit seit langem, das jetzige Geldsystem zu ersetzen, weil es uns in immer schwerere Krisen treibt. Er plädiert für Geld, über das nicht der Staat, sondern der Verbraucher entscheidet und er ist überzeugt, dass sich so auf Dauer ein mit Rohstoffwerten oder Edelmetallen gedecktes Geld durchsetzen wird, so wie es derzeit auch China und Russland fordern.

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