Trump: mehr Weltpolizei denn je

Was hat Donald Trump nochmal im Wahlkampf gesagt? Egal, ist zu lang her und erinnert sich sowieso niemand mehr dran. Bleibt eben nur das dumpfe Gefühl, dass Trump nicht nur alle außenpolitischen Fehler begeht, die er seinem Vorgänger vorwarf und angeblich korrigieren wollte, sondern dass er dabei auch noch mit Bleifuß aufs Gaspedal drückt. Wer da meinte, etwas von „konstruktiver Zusammenarbeit“ oder „wir reden mit jedem“ gehört zu haben, reibt sich verwundert die Augen. Oder eben die Ohren, die sich wohl verhört haben. Gut, dass Trump mit Nordkoreas Junior-Kim nicht vernünftig diskutiert, leuchtet vielleicht noch ein. Aber warum da gleich noch China provoziert, die Beziehung zu Russland komplett eingetrübt und die Lunte erneut an ganz Syrien gelegt werden muss, das bleibt wohl eines dieser Geheimnisse der Macht.

Während man unter Obama noch so tat, als ob die globale Tötungsmaschinerie präzise nur Terroristen erwischt, lässt man unter Trump kaum Zweifel daran, dass dieser außenpolitische Werkzeugkasten vor allem ein Werkzeug enthält: den Hammer. Eigentlich hatten wir ja in der Vorwoche schon „genug“ zu den zweifelhaften Angriffsmanövern des schönen neuen Trump-Amerikas berichtet. Als dann aber noch die „Erfolgsmeldungen“ vom Vorstoß der USA im Südchinesischen Meer und vom Abwurf der größten nichtatomaren Bombe über Afghanistan „einschlugen“, war unmissverständlich klar, dass uns der Krieg in allen Facetten und an allen Fronten erhalten bleibt. Für uns hierzulande zum Glück vorerst nur als Medienthema, für weite Teile der Welt hingegen als konkret drohende Gefahr oder schon eingetretene bittere Realität.

Im Hinblick auf die wachsende Gefahr scheint sich vor allem der nach wie vor ungeklärte Giftgasangriff in Syrien zum düsteren Fanal auszuwachsen. Eigentlich ist er ja lediglich eine unter vielen möglichen False-Flag Kriegsauslöser-Lügen. Doch das Ausmaß der (geheuchelten?) Empörung scheint hier in allen Lagern größer zu sein als bei vergleichbaren Fällen wie dem „traumatisierten syrischen Jungen“. Der Fall könnte so zum Tropfen im Fass werden, der auch auf andere Kriegsschauplätze überläuft. Womöglich nahm ihn die US-Administration zum Anlass, jetzt auch in Fernost wieder „Stärke zu demonstrieren“. Vielleicht wäre die US-Reaktion auf die neuerlichen Kim-schen Raketentests ohne den Giftgas-Angriff verhaltener ausgefallen.

Im schlimmsten Falle sind all die „Reaktionen“ auf kriegerische Scharmützel in Nah- und Fernost nur vorgeschoben, um zu kaschieren, dass die außenpolitische Linie Trumps sowieso alternativlos in Richtung Krieg an allen Fronten zeigt. Vielleicht ist die Erklärung wirklich so drastisch und einfach, wie es der Schweizer Investor Egon von Greyerz ausdrückt:

Nach fast 90 Tagen im Amt hat er bereits als Präsident versagt. Deshalb hat er sich dem Krieg zugewendet, was der letzte verzweifelte Versuch eines Führers ist, welcher an der Heimatfront einer bankrotten Nation scheitert.

In der Tat bietet sich das Säbelrasseln in alle Richtungen als klassische Kurzfristlösung für politische Führer mit kaputtem Wertekompass an. Wobei 90 Tage eine ganz neue Dimension von „kurzfristig“ darstellen – das wäre schon ein rekordverdächtig kurzer Zeitraum für solch einen politischen Offenbarungseid. Aber es würde durchaus passen, denn unter einem Trump wird eben nicht mehr lange gefackelt. Und immerhin kann er sich zugutehalten, dass dieses Totalversagen zum größten Teil auf die unsagbar großen Altlasten seiner Amtsvorgänger zurückgeht. Auch wenn man das schon vor dem Wahlkampf hätte wissen können und nicht unbedingt jede Menge uneinlösbarer Wahlversprechen hätte abgeben müssen. Unter anderem wollte Trump ja mit der unsäglichen US-Tradition des Weltpolizei-spielens brechen. Stattdessen fährt er nun Vollgas damit fort und steigert die Intensität in einen Bereich, den womöglich niemand mehr kontrollieren kann.

Die für Journalisten logische Frage wäre jetzt: hat der Mann sich einfach nur kolossal verschätzt oder glatt gelogen? Womöglich wird man gar nicht dazu kommen, dieses oder andere Trumpsche Rätsel aufzulösen, denn zwischenzeitlich ist die Nuklearwarnstufe des DefCon Systems (Defense Condition) auf Level 4 angestiegen. Laut des britischen Express ist dies ein Niveau am „Siedepunkt“. Nach Ansicht vieler Experten und Journalisten sowohl im Mainstream als auch im alternativen Spektrum ist die momentane Lage so gefährlich wie seit Jahrzehnten nicht. Manche sprechen gar davon, dass es seit dem zweiten Weltkrieg keine so große Kriegsgefahr mehr gegeben hat.

Lesetipp zum Thema: Die einzige Weltmacht, von Zbigniew Brzezinski, dem unverwüstlichen Geostrategen, der wohl auch „unter“ Trump noch Fäden ziehen darf …

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