Die wirklichen Ursachen der Finanzkrise (2)

Die unendliche Verschuldung und das legale Schneeballsystem

Unsere heutige Wirtschaft basiert auf Schulden, die niemals getilgt werden (können), sondern fortlaufend durch neue refinanziert werden. Dies wurde an der Staatsschuldenkrise deutlich, die die Eurozone seit knapp fünf Jahren fest im Griff hat. Die Staaten geben Anleihen aus, die sie später durch neue refinanzieren. Verliert ein Land das Vertrauen der Anleger, muss es zunächst höhere Zinsen bezahlen (außer dieser werden wie derzeit nach unten manipuliert) und reicht dies nicht, wird es (noch) von anderen Staaten, anderen Notenbanken, dem IWF oder der Weltbank „gerettet“. Griechenland wäre ohne diese Eingriffe schon lange Pleite und aus dem Euroverbund ausgeschieden (trotzdem wird dies letztendlich unausweichlich sein).

Heutzutage ist nahezu jeder verschuldet; egal ob es sich um Privatpersonen, Firmen, Städte, Gemeinden, Länder usw. handelt. Es hat sich eingebürgert, dass man für Anschaffungen nicht extra spart, sondern einfach ein Darlehen aufnimmt. Was ist das Problem? Es wurden einige kaum bekannte bzw. beachtete Systemfehler in unser Geldwesen eingewoben, die es nach einer gewissen Zeit immer schwerwiegender belasten. Kaum jemand weiß, woher unser Geld eigentlich kommt. Fragen Sie mal jemanden, wie Geld entsteht und Sie werden kaum eine Person finden, die hier mit Sicherheit eine klare Antwort geben kann. Wissen Sie es?

Ihre Bank „macht“ Geld

Geld kommt als Schuldgeld auf die Welt. Geld entsteht in dem Moment, wenn jemand ein Darlehen aufnimmt. Dieses Schuldgeld wird von großen Notenbanken erzeugt, aber auch von der Bank um die Ecke. Und dies geschieht folgendermaßen: Eine Person spart und bringt bspw. einen Betrag in Höhe von 10.000 Euro auf die Bank und legt es dort auf ein Sparkonto. Zeitgleich kommt eine andere Person zur Bank und fragt nach einem Kredit über 100.000 Euro. Die Bank benötigt – anders als Sie vielleicht denken mögen – KEINE zehn weitere Personen, die dort jeweils 10.000 Euro als Sparguthaben anlegen, sondern es reicht eine Reserve von zwei bis zehn Prozent um solch ein Darlehen auszugeben. Den Rest – in unserem Beispiel also 90.000 Euro erzeugt sie auf Knopfdruck und erschafft in diesem Moment Geld aus dem Nichts und verdient daran Zinsen. Ein weiterer unglaublicher Betrug der Geldelite am normalen Bürger, der auf der ganzen Welt praktiziert wird.

Ich habe meine Bankberaterin bei der Stadtsparkasse München gefragt und sagte zu ihr „sie sind ja eine Geldgöttin, weil sie Geld machen“ und sie antworte lächelnd „nein, ich bin nur angestellt beim Geldgott“. Weiter erklärte sie freimütig, das erzeugte Geld nenne man Buch- oder Giralgeld. Das müssen Sie sich auf der Zunge zergehen lassen: Sie halten einen Geldschein in der Hand und dachten bisher vermutlich, Sie hätten hier etwas Werthaltiges, einen wirklichen Anspruch in der Hand. Aber in Wirklichkeit werden in jeder Sekunde, in jeder Stunde unzählige weitere Scheine aus dem Nichts hergestellt und verwässern den Wert Ihres Geldes und Ihrer Ersparnisse.

Der tödliche Trick in unserem Geldsystem

Die Bank erschafft hier den Darlehensbetrag aus dem Nichts, aber nicht die dafür zu zahlenden Zinsen. Auf das eben angesprochene Darlehen über 100.000 Euro müssen ja bekanntlich Zinsen bezahlt werden. Woher kommt dieses Geld? Dieses wird bei dem obigen Vorgang nicht geschaffen, sondern der Darlehensnehmer muss diese Zinsen durch mehr Arbeit und durch einen höheren Einsatz in Konkurrenz zu seinen Mitmenschen erwirtschaften oder diesen abjagen. Das ist der Grund für den unaufhörlichen Wachstumszwang in der Wirtschaft. Ein Mechanismus, der allen das Leben erschwert und trotzdem nie genügend abwirft. Bei den unvorstellbar hohen Darlehenssummen kann man auch mit dem größtmöglichen Einsatz dieses zusätzliche Geld nicht verdienen, denn es ist schlicht und einfach nie genügend Gegenwert vorhanden.

Also sind die Menschen gezwungen, dafür wiederum Darlehen aufzunehmen. Und so geht es irgendwann Allen wie einem Schiffsbrüchigen, der Durst hat und Meerwasser trinkt. Je mehr er trinkt, desto mehr trocknet er aus und desto durstiger wird er, bis er qualvoll stirbt. Das ist ein systemischer Fehler in unserem heutigen Geldsystem, der direkt in den Abgrund führt. Zudem ist dieser Neuverschuldungszwang wie ein Schneeballsystem, dass nur so lange funktioniert, wie neues Geld von unten zufließt. Wir sehen aber, dass diese Quellen nun versiegen und infolgedessen kollabiert das Schuldensystem.

Da die Politik in den vergangenen Jahrzehnten maßgeblich an diesem System der Verschuldung partizipiert hat – denn nur durch die immer weiter ausgedehnte Staatsverschuldung wurde die Erfüllung all der unsinnigen Wahlversprechen an diverse Wählergruppen überhaupt möglich – ist von dieser Seite keine Hilfe zu erwarten. Hier wurde sprichwörtlich der Bock zum Gärtner gemacht, denn die Politik wurde zum willfährigen Mittäter des Finanzwesens. Das liegt vor allem daran, dass sich das „Personal“ beider Bereiche oft überschneidet und in einer „Drehtür der Macht“ zwischen Parlamenten, Ministerien und Bankentürmen hin und her wechselt. Ein prominentes Beispiel während der Finanzkrise von 2008 war Jörg Asmussen, der heute beim Auswärtigen Amt arbeitet. Als Staatssekretär im Finanzministerium war er ab 2008 Triebkraft bei der Einführung des Handels von strukturierten Wertpapieren und hat somit zu den heutigen Problemen beigetragen. Anschließend, ab 2011, saß er in den zuständigen Gremien der EZB, die enorme Steuergelder an die Banken verteilten, die mit den wilden Spekulationen Milliarden verloren hatten. Zudem gehörte er dem Lenkungsausschuss des Bankenrettungsfonds SoFFin an, saß im Verwaltungsrat der Finanzaufsichtsbehörde Bafin und im „Wirtschaftsfonds Deutschland“, der ohne parlamentarische Kontrolle über Staatsbürgschaften für Unternehmen entscheidet. Noch Fragen?

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