Was passiert bei einem Stromausfall in einem hochentwickelten Land wie Deutschland?

Heutzutage ist ein Leben ohne Stromversorgung bei uns nicht mehr möglich. Deshalb sollte man diesem Thema eine besondere Aufmerksamkeit schenken. Denn schon relativ belanglose Ereignisse können zu Unterbrechungen bzw. gefährlichen Spitzenbelastungen führen, so wie dies am 28.03.2012 in Norddeutschland der Fall war.

Zur Erinnerung: Der panische „Atomausstieg“ wurde von der linksgrünen Presse wohlwollend beklatscht. Die Folgen schienen niemandem wirklich Sorgen zu bereiten. „Es geht doch!“ stellte man zufrieden fest. Man importierte einfach Atomstrom aus dem Ausland, insbesondere aus Frankreich und der Tschechei. Dabei interessiert es verwunderlicher Weise niemanden, ob die Atomkraftwerke jenseits der deutschen Grenze ihrerseits sicher sind. Als im September letzten Jahres das AKW in Marcoule wegen einer Explosion abgeschaltet werden musste, war das den deutschen Medien kaum eine Meldung wert.

Vergangene Woche kam es zu einem brenzligen Vorfall im Stromnetz. Die Ampel des „Real-time Awareness und Alarm Systems“ der Netzbetreiber schaltete auf „gelb“. Nur Notmaßnahmen retteten den Betrieb. Derzeit untersucht die Bundesnetzagentur diesen Zwischenfall. Von unglücklichen Verkettungen und Umständen ist die Rede. Besieht man aber diese „unglücklichen Verkettungen“, muss man zugeben, dass es eigentlich ganz normale Abläufe sind, die jederzeit wieder auftreten können. „Als im Westen die Sonne unterging und ergiebige Solaranlagen keinen Strom mehr lieferten (das ist ein Phänomen, das erfahrungsgemäß jeden Abend eintritt), fiel zugleich das Atomkraftwerk Brokdorf an der Elbe wegen kleiner Störungen aus. Weiter im Osten wurde das Umspannwerk Helmstedt vorrübergehend abgeschaltet und in den östlichen Bundesländern kam Sturm auf (auch so etwas findet dort seit Menschengedenken immer wieder statt) – Windanlagen produzierten plötzlich enorm viel Strom. Das zu verteilen und die Stabilität aufrecht zu erhalten, überforderte die Ost-West-Leitungen derart, dass die Betreiber Notmaßnahmen ergriffen und u. a. im Osten ganze Windparks abschalteten.“

Genau betrachtet muss man doch einräumen, dass diese unvorhersehbare Verkettung keineswegs ein Jahrhundertereignis darstellt. Was im Klartext heißt: Wir müssen uns ernsthaft auf größere und flächendeckende Stromausfälle einrichten.

Im letzten Jahr erschien eine Studie des Büros für Technikfolgen-Abschätzung beim Deutschen Bundestag (TAB), die sich mit dem Fall beschäftigte, dass es in Deutschland tatsächlich zu einem weiträumigen, längeren Blackout kommt. Ich habe diesen alarmierenden Bericht damals schon als sehr bedeutsam erkannt und im ersten Newsletter des August darüber berichtet. Die besagte Analyse des TAB finden Sie hier.

In der Praxis bedeutet ein größerer Stromausfall, dass es in kürzester Zeit keine Verbindung zur Außenwelt mehr gibt. Telefone, Handys, Fernsehen und Radio fallen schnell aus. Möglicherweise gibt es einige wenige Radiosender im staatlichen Notbetrieb. Die können Sie aber nur mit einem batteriebetriebenen oder einem per Handkurbel betriebenen Radio empfangen. Originalzitat aus der Studie: „Die durch Bundeswehr, Technisches Hilfswerk (THW) oder Telekommunikationsunternehmen im Ereignisfall einsetzbaren mobilen notstromversorgten Funktechniken und leitungsgebundenen Kommunikationsmittel sind in erster Linie für die eigenen Erfordernisse vorgesehen; für die Gewährleistung der Kommunikation von Behörden, Bevölkerung und Unternehmen in einem Großraum sind sie nicht ausgelegt. … Die für zentrale Kommunikationseinrichtungen vorgehaltenen Reservekapazitäten wie »Unterbrechungsfreie Stromversorgung« (USV) und Notstromaggregate (NSA) sind nach wenigen Stunden oder Tagen erschöpft bzw. aufgrund ausgefallener Endgeräte wirkungslos. “

Der Verkehr kommt zum Erliegen. Züge, S- und U-Bahnen würden liegenbleiben, die Menschen darin müssten sich per Notausstieg selbst befreien. Auch Autos fahren nur so lange, wie der Benzin- bzw. Dieselvorrat reicht. Auftanken ist kaum mehr möglich, weil die Pumpen der Zapfsäulen an den Tankstellen mit Strom betrieben werden. Aber nur 2% der Tankstellen in Deutschland verfügen über Notstromaggregate. Die Autos, die noch fahren, werden einiges an Schaden anrichten, analysiert die Studie: „Aufgrund ausgefallener Ampelanlagen, Verkehrsleitsysteme und Straßenbeleuchtungen kommt es unmittelbar zu starken Behinderungen vor allem in städtischen Gebieten. Es ist eine deutliche Zunahme an Verkehrsunfällen zu beobachten – mit Verletzten und vereinzelten Todesopfern“.

Die Wasserversorgung wird ausfallen, weil in den Wasserwerken der Druck für die Leitungen mit elektrisch betriebenen Pumpen erzeugt wird. Selbst Orte, die noch Wassertürme haben, können nur noch das im Turm vorhandene Wasser aufbrauchen. Sobald der Vorrat leer ist, kann kein neues Wasser in den Turm hinauf gepumpt werden. Kläranlagen fallen ebenfalls aus.

Die Lebensmittelversorgung bricht zusammen. „Um Lebensmittellieferungen, ausgegebene Essensrationen oder knappe Lebensmittel in den wenigen noch betriebenen Filialen entbrennen Streitigkeiten und heftige, oft körperliche Auseinandersetzungen, die nicht immer von den Ordnungskräften geregelt werden können“ heißt es in der Studie. Der Nachschub an Lebensmittelrationen bricht mangels einsatzfähiger LKWs auch schnell zusammen. Die Treibstoffvorräte der Bundeswehr sind innerhalb weniger Tage erschöpft. Die Polizei bevorratet ebenfalls kaum noch Benzin, und wird zu Fuß nicht rechtzeitig an den Brennpunkten der Gewalt ankommen.

Auch hier eine Einschätzung aus der Studie: „Ein langandauernder Stromausfall wird die Bevölkerung in Unsicherheit und Angst versetzen sowie Gefährdungen von Leib und Leben mit sich bringen. Die Forschung zum Verhalten von Individuen und Gruppen in Katastrophensituationen legt die Erwartung nahe, dass auch bei einem Stromausfall sowohl unsoziale, illegale und aggressive Aktionen als auch Mitgefühl und Hilfsbereitschaft, rationales und entschlossenes Handeln zutage treten werden. Das Wissen über die sozialen und sozialpsychologischen Dimensionen einer solchen Katastrophe ist aber ungenügend.“

Was die Studie überhaupt nicht anspricht, ist die Katastrophe, die auf landwirtschaftliche Betriebe zurollt. Insbesondere die heutige Massentierhaltung, die den Landwirten aufgrund schmalster Gewinnmargen geradezu aufgenötigt wird, erfordert umfangreiche Automatisierung und Just-in-time-Versorgung. Fällt in einem großen Schweinestall die Lüftung und Kühlung aus, ersticken und verenden die Tiere innerhalb von Stunden. Die Notstromgeneratoren sind hier auf maximal 12 Stunden ausgelegt. Milch erzeugende Betriebe haben oft hunderte von Milchkühen im Stall stehen, die von wenigen Mitarbeitern mit elektrischen Maschinen gemolken werden. Fallen die Melkmaschinen aus, leiden die Tiere bald entsetzliche Schmerzen und sterben an schlimmen Euter-Entzündungen. Die wenigen Mitarbeiter haben keine Chance, den Kühen per Handarbeit Erleichterung zu verschaffen. Das Futter für Großställe aller Art wird ebenfalls just-in-time angeliefert. Bleiben die LKWs aus, werden die Tiere bald vor Hunger wild und verzweifelt außer Kontrolle geraten und sich gegenseitig verletzen. Wahrscheinlich wird nach drei Tagen das massenweise Abschlachten  beginnen. Das wiederum schafft ein weiteres Problem: Die Kadaver müssen entsorgt werden, weil sonst Seuchengefahr droht.

Krankenhäuser verfügen nur über begrenzten Notstrom. Bereits nach 24 Stunden gehen in den etwa 2000 Krankenhäusern Deutschlands nicht nur die Lichter, sondern auch die lebenserhaltenden Apparate aus. Operationen sind dann nur noch im Notmodus und unter Feldlazarettbedingungen möglich. Aus der Studie: „Bereits nach 24 Stunden ist die Funktionsfähigkeit des Gesundheitswesens erheblich beeinträchtigt. Krankenhäuser können mithilfe von NSA (Notstromaggregaten) noch einen eingeschränkten Betrieb aufrechterhalten, Dialysezentren sowie Alten- und Pflegeheime aber müssen zumindest teilweise geräumt werden und Funktionsbereiche schließen. Die meisten Arztpraxen und Apotheken können ohne Strom nicht mehr weiterarbeiten und werden geschlossen. … Dramatisch wirken sich Engpässe bei Insulin, Blutkonserven und Dialysierflüssigkeiten aus. … Die Rettungsdienste können nur noch begrenzt für Transport- und Evakuierungseinsätze eingesetzt werden. Sie sind durch die Beeinträchtigungen der Kommunikationsinfrastruktur von Notrufen der Bevölkerung weitgehend abgeschnitten. … Probleme bereitet auch die schwindende Verfügbarkeit von Treibstoff … Spätestens am Ende der ersten Woche wäre eine Katastrophe zu erwarten, d. h. die gesundheitliche Schädigung bzw. der Tod sehr vieler Menschen sowie eine mit lokal bzw. regional verfügbaren Mitteln und personellen Kapazitäten nicht mehr zu bewältigende Problemlage.“

Das Fazit der Studie lautet daher: „Wie die zuvor dargestellten Ergebnisse haben auch die weiteren Folgenanalysen des TAB gezeigt, dass bereits nach wenigen Tagen im betroffenen Gebiet die flächendeckende und bedarfsgerechte Versorgung der Bevölkerung mit (lebens)notwendigen Gütern und Dienstleistungen nicht mehr sicherzustellen ist. Die öffentliche Sicherheit ist gefährdet, der grundgesetzlich verankerten Schutzpflicht für Leib und Leben seiner Bürger kann der Staat nicht mehr gerecht werden.“

Fazit: Jeder Haushalt sollte entsprechend vorsorgen und so ausgerüstet zu sein, um einige Wochen über die Runden zu kommen. Die Krisenvorsorge ist nicht nur für den unausweichlichen Kollaps unseres Finanzsystems, sondern auch, um die naheliegenden Gefahren abzumildern. Man darf sich weder von besserwisserischen Spöttern noch von den beschwichtigenden Medien verunsichern lassen. Wie Sie sehen, warnt selbst eine hochoffizielle staatliche Stelle – das Büro für Technikfolgenabschätzung – in eindringlichen Worten vor den katastrophalen Folgen eines „harmlosen“ Stromausfalls von nur einigen Tagen.

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